Rezension: Billie Eilish – When we fall asleep, where do we go? (Darkroom/Interscope Records, 2019)

Gastbeitrag: Leandra Sommaruga 

Das Debütalbum der 17-Jährigen Billie Eilish sorgte für einen regelrechten Medienhype. Gastautorin Leandra findet: zurecht!

Seit der Veröffentlichung am 29. März überschlagen sich die Lobeshymnen um Billie Eilish’s Debutalbum „When we fall asleep, where do we go?“. Noch am selben Tag besetzte sie die gesamten Top 5 Songs auf Spotify. Das Musikmagazin NME betitelte sie als „the most talked-about teen on the planet“. Für die 17-Jährige aus Los Angeles ist dies ein regelrechter Senkrechtstart in der Musikbranche. Ist sie also tatsächlich die Zukunft der Popmusik – wie manche Medien behaupten – oder eher eine Eintagsfliege mit einem überbewerteten Album?

Mit „bad guy“ auf den Kopfhörern scheint es fast berechtigt, an einem Montagmorgen mit entsprechender Laune ohne schlechtes Gewissen verspätet bei der Arbeit zu erscheinen – rein stimmungstechnisch. Ein intensiver Bass, eine ruhige Stimme – eher monoton aber klar, deutlich und durchdringend, dazu Soundeffekte. Diese Kombination ist kennzeichnend für einen grossen Teil der Songs des Albums. Aber auch Lieder mit emotionalem Tiefgang wie „i love you“, die an Lana del Rey erinnern, kommen nicht zu kurz. Die Soundeffekte sind passend und abwechslungsreich, ausser bei „xanny“. Hier sind die Stimmverzerrer nur störend. Inhaltlich behandelt das Album – wie es der Titel vermuten lässt – verschiedene Stimmungen, Fragen und Gedanken um zwischenmenschliche Beziehungen. Wie beispielsweise in „when the party’s over“:

Don’t you know too much already?
I’ll only hurt you if you let me
Call me friend, but keep me closer (Call me back)
And I’ll call you when the party’s over

Generell ist der Sound nicht düster, nicht heiter und auch nicht wirklich tanzbar. Dass man die Künstlerin zwischen R&B, HipHop und Dream Pop nirgends wirklich verorten kann, verleiht dem Album eine besondere Faszination. Dazu kommt die starke Bindung an Billie Eilish als Person. Blauen Haare, Gothic-Look und eine Fuck-You-Attitüde. Das prägt ihre Musik insofern, dass viele Stücke ihre Person widerspiegeln. Wie „all the good girls go to hell“ exemplarisch zeigt:

All the good girls go to Hell
‚Cause even God herself has enemies
And once the water starts to rise
And Heaven’s out of sight
She’ll want the Devil on her team
My Lucifer is lonely

 

Fazit:

Obwohl das Album leicht als überschätzt abzuschreiben wäre – vor allem durch den riesigen Medienhype – hört es sehr ansprechend und anders an. Ob das der überzeugenden Produktion oder der musikalischen Einzigartigkeit zu verdanken ist, sei in den Raum gestellt. Besonders „all the good girls go to hell“, „bury a friend“ und der nachdenkliche, melancholische Song „listen before i go“ überzeugen. Musikalische Komplexität stehen nicht an erster Stelle, vielmehr setzt das Werk auf einfache, prägnante Rhythmen, eingängige Zeilen in einem vielfältigen Genre-Mix. Eine Rechnung, die aufgeht, wie der Erfolg zeigt.

7/10

 

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