Rezension: Kasabian – 48:13 (Columbia 2014)

Die Grossmäuler aus Leicester verbinden den intellektuellen Anspruch von Status Quo mit der Bescheidenheit von Oasis oder den Stone Roses. Während diese Strategie des Entertainment um jeden Preis fraglos schon wohlklingende Früchte getragen hat, haben sie sich auf ihrem mittlerweile fünften Album „48:13“ ziemlich vertan. Hören wir da Spuren der Unsicherheit im Kampfgeschrei der Herren Meighan und Pizzorno?

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Sehen ihre Platte selbst durch die rosa Brille: Kasabian mit „48:13“

48:13 – zugleich Titel und exakte Spieldauer der neuen Scheibe: das klingt vielversprechend, lässt auf den schnörkellosen Rock hoffen, der seit jeher Kasabians grösste Stärke ist. Nach einem einminütigen Moment der Irritation, dem nichtssagenden Intro „(Shiva)“, findet man sich dann tatsächlich auf altbewährtem Kasabian-Terrain: „Bumblebee“ ist ein lauter, primitiver, akkordarmer Stampfer, mal eben dicke draufgehauen ohne Rücksicht auf Verluste. Aber leider gibt es eben solche zu beklagen: jegliche Ordnung ist verlustig gegangen, das Chaos regiert. Yeahyeahyeahyeahyeah. Immerhin sind die Jungs total „in ecstasy“ – wir freuen uns für sie und hoffen auf den nächsten Song.

„Stevie“ heisst der und hebt das musikalische Niveau an. Düsterer Stadionrock gegen die Depressionen des digitalen Zeitalters – „live to fight again“. Wie zuletzt St. Vincent oder Damon Albarn haben auch Kasabian diese von der Technologie verschuldete Leere und Ernüchterung zu ihrem zentralen Thema gemacht. Als berüchtigte Textverbrecher gelingt es ihnen jedoch nicht, die Tiefe der Reflektion, wie sie bei Annie Clark oder Albarn bisweilen vorhanden ist, zu erreichen. So hört man auch schon mal Sätze wie „Everday is brutal / now we’re being watched by Google.“  Dieser entstammt einem der musikalischen Highlights der Platte, dem dreiminütigen Raverocker „Eez-Eh“, der dermassen kraftvoll daherkommt, dass sich über die lyrischen Missgriffe hinweghören lässt. Man wird gewahr: Kasabian sind doch nach wie vor in erster Linie eine Band, die unterhält.

 

Zu ihrem Unglück versteigt sich die Band auf grossen Teilen der Platte in mal faden, mal chaotischen Electrorockspielereien. „Treat“, „Glass“ und „Explodes“ sind Beispiele hierfür. Alle drei muten zunächst interessant an, haben druckvolle Riffs, unterschiedliche synthetische Klänge, eingängige Melodien, doch vermögen sie die Spannung jeweils nicht aufrecht zu erhalten, wirken nach kurzer Zeit schon eintönig und konzeptlos.

Wohler scheinen sie sich zu fühlen, wenn sie sich in Gefilden das klassischen Rock bewegen, wie dies etwa auf dem starken Track „Clouds“ der Fall ist, der an Psychedelic Rock und die Rolling Stones der späten Sechziger erinnert.

Insgesamt hinterlässt „48:13“ einen  zwiespältigen Eindruck. Die drei ziemlich unmotivierten Zwischenspiele „(Shiva)“, „(Mortis)“ und „(Levitation)“ lassen Spekulationen über eine Verunsicherung der Band aufkommen. Könnte es sein, dass gerade jene Band, die sich nach aussen hin selbstbewusster gibt als jede andere, von künstlerischen Zweifeln heimgesucht wird? (Tipp: Ja, davon ist sogar auszugehen. Aber wir wollen nun ja nicht aufgrund dreier wortloser Intermezzi eine Psychologisierung der Songwriter vornehmen.)

Did somebody say Fazit? Fazit: Auf ihrem fünften Studioalbum befinden sich die diesjährigen Glastonbury-Headliner Kasabian keinesfalls in der Form ihres Lebens. Zu grundsolidem Stimmungsmacher-Rock gesellen sich zu oft unausgegorene, chaotische Tracks, die eine klare Linie vermissen lassen.

Das ganze Album hier hören:

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