Rezension: The Dø – Shake Shook Shaken (Six Degree Records, 2014)

Drei Jahre sind vergangenen seit ihrem letzten Album „Both Ways Open Jaws“ und nun ist das französische Duo mit einer grossen Ladung neuer Songs zurück. Ihr im September erschienenes Album trägt einen Titel, der jeden Englischlehrer (und jede Englischlehrerin!) freuen würde: „Shake Shook Shaken“. Es ist das dritte Studioalbum von The Dø und wird vom Label Six Degree Records vertrieben. Vertrieben werden wir allerdings nicht (hehe Wortspiel), denn diese Musik ist äusserst anziehend!

Bild: http://jeanpaultarte.fr/2014/09/album-le-virage-futuriste-de-the-do-avec-shake-shook-shaken/

Olivia Merilahti und Dan Levy vor einem Hintergrund, der an ein Öl-Gemälde erinnert. Bild: Jean Paul Tartre

DAS CHAOS ALS ZWEITES ZUHAUSE:
„Keep Your Lips Sealed“ ist ein sprunghafter Start-Track, in welchem sogar die Textthematik hüpft und hopsend vorantreibend wirkt. (Hat man schlechte Laune, gibt es – um dieser entegegen zu wirken – sicherlich schlechtere Songwahlen als „Keep Your Lips Sealed“.) Und als feinfühlige Tiere, als welche wir als Menschen betitelt werden („we are sentimental animals“), geben wir uns den „Trustful Hands“ der fesselnden Melodienhaftigkeit von The Dø und „Shake Shook Shaken“ hin. „Chaos is my second home“ singen sie und verweisen auf die Zerütteltheit und Linienlosigkeit, die das Bewusstsein befallen können. La Roux hätte am nächsten Electro-Pop-Stück „Miracles (Back In Time)“ vielleicht Freude, man weiss es aber nicht. Hier wird mit dem Gedanken aufgeräumt, in die „gute alte Zeit“ zurückzuwollen, wo doch immer „alles besser war“. The Dø fokussieren lieber auf die Intensität des Moments.

Von den symphonischen „Sparks“ ausgehend wird alsbald brachial durch Wände gegangen. In „Going Through Walls“ wird vehement das Unmögliche möglich gemacht, auf den ersten Schlag eines jeden Tages nähert man sich der undurchdinglichen Wand, immer um ein Stück mehr, bis man dann doch noch hineinläuft. Die überdrehte, irrationale Euphorie vermischt sich innerhalb des Albums allerdings immer mehr mit Zwischentönen aus Wirklichkeitsbefragung, Alltagsgedanken und Verzweiflung. „Despair, Hangover & Ecstasy“ portraitiert die schnelllebige Party-Gesellschaft und stellt die Frage nach dem Warum. Jeden Abend geht man aufs Neue unter Menschen und sieht: „so many people around we disappoint and let down“. Das Fragezeichen wird im Album fortan mehr aufgeblasen, bis zu „Anita No!“, welches, wenn man es englisch ausspricht auch assonant zu „I need to know“ klingen kann. Findet die Suche nach dem Sinn statt oder werden moderne Themen, wie Selbstzweifel und Wirklichkeitsbefragung bloss durch Wortspiele wiedergespiegelt?
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Die Klavierballade „A Mess Like This“ umkreist das grosse Fragezeichen auf neckische Weise. Die nicht zu verleugnenden aufgezeichneten Wunden sollen innerhalb von „Lick My Wounds“ geheilt werden. So beschwingt und luftig das Album auch angefangen haben mag, die Leichtigkeit geht irgendwo zwischen Hangover und Wundlecken verloren. Mit der abhanden gekommenen Leichtigkeit, bleibt in „Opposite Ways“ dennoch etwas Tanzbares, Melodienreiches zurück. In „Nature Will Remain“ hält sich das französische Duo von The Dø im traditionellen Genre des Chanson auf. Das Closer-Stück „Omen“ kommt mit Orgeln und synthetischen Beat-Schlägen um die Ecke. Es enthält weder Melodie noch Text und ist das experimentellste Stück innerhalb des Albums.

EIN ALBUM, DAS DURCHSCHÜTTELT? UNSER FAZIT.
Auf „Shake Shook Shaken“ ist keine eindeutige Linie festzumachen. Wollte man eine Genre-Kategorisierung vornehmen, würde sich diese wahrscheinlich innerhalb folgender Richtungen befinden: Pop, 80s, Chanson, Soft Rock, Synth Pop, Electro. Die Eingängigkeit der Melodien und die Vielfältigkeit machen das Album jedoch dennoch zu einem anhörbaren. Im Jahre 2011 – wenn uns nicht alles täuscht – haben wir einen Auftritt am deutschen Southside Festival verfolgen dürfen. Und das ging ganz schön ab…

TOUR INFO:
Am 19. Dezember werden The Dø nach Zürich kommen und im Mascotte ein Konzert geben (mehr Konzertdaten findet ihr auf der Band-Website).

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KEEP BUZZIN & wir shake-shook-shaken einen Milk Shake.

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Eine Antwort zu “Rezension: The Dø – Shake Shook Shaken (Six Degree Records, 2014)

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