Rezension: Weezer – Everything Will Be Alright In The End (Republic, 2014)

Nachdem Weezer auf ihrem letzten Output („Hurley“, 2010) – achtung, Anspielung – bisweilen etwas LOST  wirkten,  haben sie auf dem Nachfolger „Everything Will Be Alright In The End“ nun wieder zu sich gefunden, namentlich zu ihrem Ur-Ich, dem 1994er-Nerds-in-einer-Garage-Ich. Und das ist ganz gut so.

20140709165029!Cover_of_Weezer's_album_Everything_Will_Be_Alright_in_the_End

Pelziges Ungetüm in Sepia. Da war uns Jorge Garcia eindeutig lieber. Aber es wird ja alles gut.

„Back to the strat with the lightning strap
Kick in the door, more hardcore
Rockin out like it’s ’94“

 

Diese Zeilen aus der Leadsingle des Albums, „Back To The Shack“, geben die Richtung vor: Die Band um Rivers Cuomo blickt zurück auf zwanzig Jahre Bandgeschichte, nostalgisch und selbst-referentiell, unter anderem Bezug nehmend auf ihren früheren Song „In The Garage“ (1994).

Glücklicherweise wirkt die Rückkehr zur alten Form, abgesehen von einigen unbeholfenen Texten, die wir grosszügig überhören dürfen, nie pathetisch. Das Album ist ein einziges grosses Geschenk an die Fans, über und über beladen mit eingängigen Melodien, schweren Riffs und dieser (nicht nur Teenagern bekannten) bittersüssen, leicht melancholischen Stimmung, die die meisten grossen Weezer-Songs auszeichnet. Tracks wie das geradezu nach postpubertären Angstzuständen riechende „Lonely Girl“, das sehnsüchtig wütende „I’ve Had It Up To Here“, das an den grossen Moment erinnert, den Fall Out Boy niemals hatten, oder die zweite Single „Cleopatra“ legen Zeugnis ab von den nach wie vor nicht erschöpften Songwriting-Künsten des Rivers Cuomo. Die Songs profitieren zudem von der kompakten Band, die in dieser Formation mittlerweile seit über zehn Jahren zusammenspielt, und unterschiedlichen Co-Writern, die sich an einzelnen Songs beteiligten: Eine Praxis, die Weezer auch schon auf „Raditude“ (2009) und „Hurley“ (2010) angewandt haben. In einem besonders glücklichen Fall, dem kraftvollen „Go Away“, hat sich die Co-Writerin – Bethany Cosentino (Best Coast) – auch gleich als Duettpartnerin beteiligt.

Bei aller Rückwärtsgewandtheit der Musik versäumen es Weezer auf „Everything Will Be Alright In The End“ dennoch nicht, einige Überraschungen einzustreuen. So ist es der Opener des Albums, „Ain’t Got Nobody“, der mit seinem überdrehten, monströsen Glam-Metal-Sound für erste Irritationen sorgen könnte. Es ist „Eulogy For A Rock Band“, in dem Weezer den Tod einer namenlosen Rockband besingen, die etwas weniger lang im Geschäft war, als Weezer selbst, das mit ungewohnter Düsternis, inklusive einem Stoner-Rock-artigen Riff, daherkommt. Und letztlich ist es die das Album beschliessende „Futurescope Trilogy“, ein ambitioniertes Trio aus Songfragmenten, die eine progressive Ader in der Band zum pulsieren bringt, die man kaum erwartet hätte.

Nach dem gelungenen, aber nicht ganz ausgewogenen „Hurley“ ist EWBAITE – ein weiteres Mal mag ich den Titel, der übrigens der Coda des Songs „Foolish Father“ entnommen ist, nicht ausschreiben – ein souveränes Album ohne deutlich abfallende Schwachstellen geworden, eingespielt von einer selbstsicheren Band, die zwanzig Jahre nach ihrem Debüt zwar die Veränderungen umarmt, die diese zwei Dekaden mit sich gebracht haben, aber sich auch einfach mal wieder zurück in die Garage sehnt. Und die Gelegenheit nutzt, diese musikalisch wiederauferstehen zu lassen. Für sich und für die Fans.

Das ganze Album auf Spotify hören:

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Eine Antwort zu “Rezension: Weezer – Everything Will Be Alright In The End (Republic, 2014)

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