Rezension: Cold War Kids – Hold My Home (Downtown, 2014)

Fans der Gitarrenmusik wissen: Es ist ein schmaler Grat zwischen Liam und Noel, zwischen unsensiblem Angeberrock und melodisch ausgefeilten Popperlen. Die Cold War Kids bewandeln ihn auf ihrem fünften Studioalbum routiniert und finden zu einer gelungenen Form energischer, mitreissender Rockmusik. 

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Schwarz auf Weiss: Die Cold War Kids beschmieren ihr Image nicht, sie fühlen sich hörbar heimisch auf ihrem fünften Album.

Zugegeben: Opener und Leadsingle „All This Could Be Yours“ wird manch einer als prollig abtun. Mit seinen übermotivierten Pianoakkorden und dem einfallslosen Drumming des neuen Bandmitglieds Joe Plummer (ex Modest Mouse), der Matt Aveiro auf unbestimmte Zeit ersetzt, ist der Song in stetiger Gefahr in ebendiesen unsensiblen Angeberrock abzudriften. Lebensversicherung der Cold War Kids ist, wie immer, Nathan Willetts sehnsüchtige Stimme, die stets zu begeistern vermag.

Der zweite Song des Albums – „First“ (he he!) – beweist dann eindrücklich, zu was die Band fähig ist, wenn sie ihr elaboriertestes, stringentestes (Superlative ahoi!) Songwriting auspackt. Das ist enthusiastische Popmusik der feineren Sorte. Mit Handclaps. Und Melodie! Die Produktion, für die sich Gitarrist Dann Gallucci und Lars Stalfors (Mars Volta, Matt and Kim) verantwortlich zeigen, wirkt zwar bisweilen etwas aufdringlich, was aber den Gesamteindruck nicht zu trüben vermag. Das ist doch das schöne an Popmusik: Wenn die Strophen richtig geschmeidig in einen Refrain münden, kann man einem Song fast nichts anhaben.

„Hold My Home“ ist ein einwandfrei ausgearbeitetes Album ohne die ganz grossen Überraschungen. Davon abgesehen vielleicht, dass die Band dem Literaturkritiker (sic!) Harold Bloom einen gleichnamigen Song gewidmet hat. Das könnte eine Premiere sein. Am stärksten ist dieses Album immer dann, wenn Nathan Willett sich austoben darf. Eindrücklichstes Beispiel hierfür ist das musikalisch zurückhaltende, symptomatisch betitelte „Go Quietly“, auf dem die Stimme – zunächst solo, dann in Begleitung von Backgroundgesang – im Mittelpunkt steht. Der Song reiht sich mit dem ebenfalls überragenden „Drive Desperate“ und dem packenden „Hotel Anywhere“, auf dem für einmal auch Bassist Matt Maust prominent in Erscheinung treten darf, in die bisherigen Meisterstücke des Schaffens der amerikanischen Band ein.

Mit ihrem fünften Album haben die Cold War Kids nach dem bereits starken „Dear Miss Lonelyhearts“ (2013) einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ihre euphorische, traditionsbewusste Rockmusik, die etwa mit den Kings of Leon (zu besseren Zeiten), Delta Spirit oder auch Two Gallants vergleichbar ist, ist nicht bahnbrechend, dafür mitreissend und von rauhem Charme.

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2 Antworten zu “Rezension: Cold War Kids – Hold My Home (Downtown, 2014)

  1. Pingback: [Wavebuzz] Rezension: Cold War Kids – Hold My Home (Downtown, 2014) - #Musik | netzlesen.de·

  2. Der Opener geht schon in Ordnung, aber ich bin ja auch ein Prollvomdienst! Sorgen bereitet mir eher das dazugehörige Musikvideo mit seinem Klischetriumvirat S/W–Zigarre–Dünnheit.

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