Rezension: Parquet Courts – Content Nausea (What´s Your Rupture, 2014)

Ob sie nun Parquay Quartz oder Parquet Courts heissen – das ist sowohl unterschiedlich wie auch unwichtig. Wichtiger ist vielmehr das musikalische Schaffen der amerikanischen Band: Auf einem 4-Spuren Kassettengerät aufgenommen, gibt es „Content Nausea“ seit letztem November bereits. Der Albumtitel bedeutet soviel wie „zufriedene Benommenheit“. Ob wir nun zufrieden oder benommen sind? Ihr erfahrt es innerhalb unserer Kritik.

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ALTER PUNK UND NEUE SELTSAMKEIT
Und täglich grüsst das Murmeltier – „Everyday It Starts“ heisst das taktbetonte Eröffnungslied auf „Content Nausea“. Es gibt bereits denjenigen Ton an, der aus vielen Tönen besteht. Im Laufe des Albums wird die Hörerin / der Hörer noch an so einige Grenzen kommen. „Content Nausea“ folgt auf „Everyday It Starts“ und erinnert an experimentellen Rock und Velvet Underground. Das gesprochene Wort ist hier sehr dicht. Hier sind einige Zeilen daraus:

„In the grips of bad dimension
Too much data, too much tension
Too much plastic, Too much glass
Life lived least when when fears are passed

My friend he won’t leave his home
Says ‚I am a bonfire of human bones‘
I am a bonfire of human bones
I am a bonfire of human bones“

„Pretty Machines“ ist ein wundervoll unbemühtes Mitsingstück, das hauptsächlich durch die präsente Gitarre hervorsticht. Hier zeigen Parquet Courts ihr Faible für einfache, eingängige Melodien. Danach folgt „Psycho Structures“ und tatsächlich: Im Vergleich zu „Pretty Machines“ ist dieser Song rau und klingt unfertig. LoFi trifft Post Punk zum Sonntagsbrunch in der Garage. Die Sängerstimme singt nicht, sondern erzählt. Auch „The Map“ weist keineswegs auf eine eindeutige Soundlinie hin. Vielmehr verirrt sich der Hörer in Soundcollagen und gesprochener Poesie. Nur Noise ist das keineswegs: Immer ist ein Instrument das Ganze durch eine (halbwegs) durchgehende Melodie zusammenhaltend.

„Punk Songs. I thought that they were different.“

Danach folgt für alle Film- und Oldiefans ein kleines nostalgisches Highlight: Parquet Courts covern den Nancy Sinatra Hit „These Boots Are Made For Walking“. Diese Version hätte sich in Kubricks Full Metal Jacket auch sehr gut eingegliedert. Die angenehm kleckernde Gesangsstimme verleiht dieser Version sowohl Oldie-Charakter als auch moderne Spritzigkeit.

Fast am Ende des Albums, merke ich als Hörerin, dass es doch kein Nebenbeialbum ist. Vielmehr ist es ziemlich anstrengend, aber nicht „Insufferable“, obwohl ein Lied auf der Platte so heisst. Hier findet man improvisierte Gitarrensoli im Hintergrund und der Gesang singt nicht mehr, er schreit. Danach kommt ein Song, bei dem man sich fragt: nomen est omen? „No Concept“ heisst er und er betitelt gleichzeitig die stilistische Fahrtrichtung von den Brooklynern: nämlich eine kurvenreiche.

„Uncast Shadow Of Southern Myth“ schlägt den Bogen zurück zur Melodie und die wilde Fahrt durch verschiedene Genres kommt zu einem Stillstand. Hier hören wir nämlich fast wehmütige, romantische Töne. So kommt das Album zum Ende und hinterlässt einen Eindruck, wie nach einem Waschmaschinendurchgang bei 95 Grad.

Unökologisch, sauber, zufrieden, benommen.

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Eine Antwort zu “Rezension: Parquet Courts – Content Nausea (What´s Your Rupture, 2014)

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