Rezension: Villagers – Darling Arithmetic (Domino, 2015)

Akustische Gitarren und eine inhaltsschwere, hauchige Stimme. Eigentlich ja nichts Besonderes. Folk Bands gibt es wie Sand am Meer, Sterne im Universum und wie alle anderen Redewendungen. Was gibt dann den Ausschlag dafür, dass die irische Band Villagers aus der Masse stechen? Ist es vielleicht der „Courage“, der sich auf ihrem neusten Album „Darling Arithmetic“ niederschlägt?

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Conor J. O’Brien, Sänger der Band Villagers, punktet bereits im Eröffnungslied „Courage“ mit seiner feinen, aber nie übertriebenen Stimme. Briens Stimme schafft es sowohl eine Haupt- als auch eine Nebenrolle zu spielen. Immer wieder wiederholt sich das Wort „Courage“ im feingliedrigen Stück. Das dritte Album der Villagers erinnert an Simon & Garfunkel, die sich mit Bill Callahan zum Nachmittagspicknick treffen. O’Brien spielte das gesamte Album bei sich zu Hause im Studio ein – ebenso alle Instrumente sind von ihm gespielt.

„Everything I Am Is Yours“ ist eine zerbrechliche Ballade, die sich jedoch nie (trotz des schmalzigen Liedtitels) im Kitschigen verliert. „Dawning On Me“ ist so aufgebaut, wie eine Dämmerung selbst. Sekunde um Sekunde wird im Stück musikalisch noch eins draufgegeben. „The Soul Serene“ ist einer der Songs, die „Darling Arithmetic“ wirklich zu einem Darling machen. Die Feinheit erinnert an den ersten Hauch des Frühlings, bei dem man merkt, dass der Herbst kommen wird. Sowohl Hoffnung als auch Wehmut steckt in den Stücken verborgen:

„so I am walking on the shore and I wonder what I’m walking for“

„Darling Arithmetic“, der gleichnamige Song wie das Album, vermengt Klavier und Gitarre und lässt die Perkussion völlig am Waldrande stehen. „Little Bigot“ besitzt einen frech umgewandelten Beatles-Vers aus dem Lied „Something“. Und zwar wurde aus der Beatles-Zeile: „Love Is Old Love Is New Love Is All Love Is You“ folgendes: „Love Is Old Love Is New Love Is All Love Is Me“.
Ab Minute 2:54 wird der Song auch noch so richtig abgedreht – verebbend in einem Freestyle-Dialog zwischen den verschiedenen Instrumenten. „Hot Scary Summer“ ist eine Downtempo-Ballade, die durch den Sprechgesang von Conor J ´Obrien eine erfrischende Lockerheit erhält. Dennoch handelt das Lied von einer verflossenen, gleichgeschlechtlichen Liebe: „Remember kissing on the cobblestone/ In the heat of the night/ And all the pretty young homophobes/ Looking out for a fight“.

Mit „No One To Blame“ und „So Naïve“ sind die versöhnlichen Closer-Titel des dritten Villagers-Albums. Vor allem „So Naïve“ erzählt von Arten, wie man sein Leben fortführen kann. „So Naïve“ ist eine Schilderung, ein innerer Monolog eines jeden suchenden Menschen. Die Stücke auf „Darling Arithmetic“ sind alle zurückhaltend und dennoch rastlos. Die Villagers beziehungsweise Conor J ´Obrien haben ein intimes Meisterwerk geschaffen, für dessen Hören jedoch man in Stimmung sein muss. „Darling Arithmetic“ wird nie laut, nie ungesittet, nie Rock N´Roll.

TOUR: 
Leider haben die Villagers kein Termin in der Schweiz angekündigt. Falls du sie dennoch live erleben willst, vielleicht findest du ja hier einen Ort in deiner Nähe.

MEHR INFO: 
VILLAGERS WEBSITE: http://www.wearevillagers.com/
FACEBOOK: https://www.facebook.com/Villagers

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2 Antworten zu “Rezension: Villagers – Darling Arithmetic (Domino, 2015)

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