Rezension: Future Islands – The Far Field (2017, 4AD)

„The Far Field“ ist Future Islands fünftes Album. Nach dem letzten; „Singles“ (2014) ist einiges passiert. Man erinnert sich vielleicht noch an den expressiven Auftritt in der Letterman-Latenight-Show, der als viraler Hit die Band schlagartig populär werden liess. Im Wissen, nun ein grösseres Publikum zu haben, entstand „The Far Field“. (Fun Fact für die nächste Party: Der Terminus „Far Field“, dt. „Fernfeld“ stammt aus der Antennentechnik und bezeichnet ein Raumgebiet, in welchem sich elektromagnetische Wellen unabhängig von Antennen ziellos im Raum ausbreiten. Mehr weiss Wikipedia (und ein Antennentechniker / eine Antennentechnikerin).)

Future Islands - The Far Field

Dringlichkeit ohne Hetze

Der Opener „Aladdin“ beginnt und endet dramatisch: Ein Crescendo der Instrumente zu Beginn – synthetische Streicher zum Schluss.  Im Anschluss kommt „Time On Her Side“ – Samuel T. Herring´s Gesang verleiht ausnahmslos auch diesem Track eine gewisse Note von Dringlichkeit. Diese Dringlichkeit wird durch den Optimismus des Stücks jedoch nicht negativ verfärbt. Dringlichkeit bedeutet bei Future Islands Entspannung auf eine weise Weise. Ohne Hektik – mit derselben Dringlichkeit aber – eilt auch der Song „Ran“ (eine der zwei Vorabsingles) am Zuhörenden vorbei.

Aushöhlung von Schönheiten

„Beauty Of The Road“ dreht sich um die Innerlich- und Äusserlichkeiten von (Lebens-)wegen, die sich winden und stets ändern können. (Auch geht es hier um den Erfolgsausbruch der Band seit ihrem letzten Album und um das unstetige Tourleben als Musiker.) Bei Future Islands können solche Grundthemen und -fragen des Seins so behandelt werden, dass sie eine sublime Schönheit bekommen. Ohne Angst und ohne Verzweiflung. Bei „Cave“ ist Herring´s Gesang etwas gedämpft, sodass es eben so klingt, als ob er aus einer Höhle heraus singt. Und wenn wir schon beim Existentiellen sind, hier wird es doch etwas beklemmend. Die unbeeinflussbare Vergänglichkeits-Verzweiflung bedingt hochdramatische Lyrics in „Cave“ („Is this a desperate wish for dying?“ / „I don’t believe anymore don’t believe anymore cause all we know, is gone and cold“). Doch auch hier waltet am Ende der kühne – etwas eskapistische – Optimismus:

„I am the air, the after
Always in the clouds
Searching for some answer
Parted now, I am the shore—repeated
Becoming air
I’m finally free“

„Through The Roses“ und „North Star“ enthalten Naturallegorien und -bilder, wie sie so üblich sind für Future Islands (sieht man ja auch schon an ihrem Bandnamen selbst).

„Ancient Water“ einer zukünftigen Insel? Ja, bitte.

Müsste ich zu „Candles“ einen Parallelsong ihres Vorgängeralbums „Singles“ suchen, wäre es „Like The Moon“: Beides sind schleppende, retardierte Stücke. Gedichte, beinahe. „Candles“ ist eines der Highlights auf „The Far Field“ (definitiv heller als Kerzenlicht, aber mindestens genauso schön). Um Licht geht es auch in den nächsten zwei Tracks: „Day Glow Fire“ (das kommt dann, nachdem man die „Candles“ die ganze Nacht angelassen hat) und „Shadows“ (das Anti-Stück des Lichts). Bei „Shadows“ singt übrigens Debbie Harry mit (Sängerin der Kult-Band Blondie). Bei Herring und Harry sind es nicht nur die Namen, die ähnlich klingen: Es scheint beinahe so, als ob sich ein Team gefunden hätte, das schon immer ein Team gewesen ist. (Wie wäre es wohl, wenn Herring Blondie-Smasher wie „Heart Of Glass“ oder „Atomic“ covern würde? Make this happen, bitte??!).

Durch die Blumen äh… Rosen gesagt – und mit dem letzten Track „Black Rose“ untermalt – ein wahrlich gelungenes Album.

Veröffentlichung: 07. April 2017

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