Rezension: Metric – Art of Doubt (Metric Music International, 2018)

Gastbeitrag: Leandra Sommaruga

Mit „Art of Doubt“ legen Metric ein Album vor, dass für alle – vom Musiknerd bis zum Radiohörer – zugänglich ist. Ein charakterloses Hitparade Album also? Falsch!

Wie MGMT, Beach House oder LCD Soundsystem, um nur einige Indie-Rock-Bands zu nennen, reiten auch Metric die Synthi-Welle – und das seit 1998. Die vier Kanadier verstehen es, auf ihrer neuen Scheibe konstante Basslinien mit harten Gitarrenriffs zu bestücken, und damit die Kulisse der Gute-Laune-Musik herunterzureissen und auf ihre Weise wütend zu sein. Auch inhaltlich begnügt sich „Art of Doubt“ nicht mit Zufriedenheit und macht beim Auftakt mit „Dark Saturday“ deutlich, dass nur die wenigsten Leute auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Somewhere in the south of france or the Caribbean sea.
She said „I dont need to make a living. Fake Diamonds got nothing on me.“
I met her in the world below.
She’s a tourist of the world beneath.
I said „Everything I built from Nothing“
She said „I’m so rich, everything’s free“

Am stärksten kommen der Zweifel und Frust an der glücklichen Scheinwelt mit „Die Happy“ zum Ausdruck. Fast zynisch unterlegt eine banale 80er-Popmelodie die gesellschaftskritischen Zeilen, bis sie mit dem Einsatz der Gitarre und der Aufforderung, glücklich zu sterben, durchbrochen wird.

So what is this society?
Still drinking that Kool Aid like it’s free.
Still Popping that Poison
Political you know how it goes.
Is this Dystopia?

In ähnlichem Stil sind die Songs „Art of Doubt“ und „Underline the Black“ aufgegleist, wobei sie besonders durch kräftige Schlagzeugrhythmen getragen werden. Beim Vergleich der beiden Stücke ist „Underline the Black“ jedoch einiges zahmer, womit es innerhalb des Albums etwas untergeht. Ruhigere Töne werden in „Seven Rules“ und „No Lights on the Horizon“ angeschlagen, was eine stimmungsvolle Abwechslung zu den sonst lauten und dynamischen Stücken bietet. „Holding Out“ erinnert im ersten Moment an die Musik von Katy Perry, gewinnt aber schnell an Tempo und ähnelt stilistisch dann eher den Yeah Yeah Yeahs.

Wie frisch recycelt aus den 80ern erscheinen Songs wie „Now or Never Now“, „Risk“ und „Anticipate“ Es ist das eigentliche Spezialgebiet von Metric, wobei sie den gekonnten Einsatz von Synthesizern unter Beweis stellen, der Depeche Mode, Bronski Beat oder New Order ziemlich nahekommt. Musikalisch eher unspektakulär erscheint mir „Dressed to Suppress“, der trotz guter Lyrics – einer simplen Darlegung davon, zu sein, wo man nicht sein möchte – eintönig und ideenlos wirkt.

Metric erfinden sich mit Art of Doubt musikalisch nicht neu, doch durch den verstärkten Einsatz von Gitarrenriffs ist der Sound härter, dynamischer und energiegeladener als auf ihren Vorgängeralben. Metric sind also nach Album Nummer sieben und Nebenprojekten, etwa das Soloprojekt der Sängerin Emily Haines oder dem Mitwirken von ihr und dem Gitarristen James Shaw bei der Band „Broken Social Scene“, eine Band, die auch nach 20 Jahren noch auf Hochform läuft.

Ob sie dies auch live unter Beweis stellen können wird sich am Di 6.11. im Dynamo (Zürich) zeigen.

8/10

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