Die ultimativen Wavebuzz-Top-15-Alben 2013: #6 Vienna Teng – Aims

Mit ihrem fünften Studioalbum erfindet sich die taiwanesisch-amerikanische Singer/Songwriterin Vienna Teng neu und schafft das, was den wenigsten Art- und Zeitgenossen gelingt: Sie beweist, dass Popmusik im 21. Jahrhundert auch abseits unzugänglicher Klangwelten innovativ und am Puls der Zeit sein kann. Ein Meilenstein?

aims

Ein Song, in der Mitte des Albums angesiedelt, zeigt eindrücklich, was Vienna Tengs Stärken sind: „Hymn of the Acxiom“. Auf ihren ersten vier Alben vertraute die Singer/Songwriterin immer sehr stark auf ihr Instrument, das Piano. Live macht sie auch häufig Gebrauch von Loop-Geräten und ähnlichem. Und so vertraut scheint sie mit diesen Techniken inzwischen zu sein, dass sie es wagt, einen Song ohne jegliche instrumentale Untermalung zu machen. „Hymn of the Acxiom“ ist ein Chor aus Viennas, hergestellt mit einem digitalen Harmonizer, überirdisch schön. Ein Novum auch der Text: Erzählt wird aus der Sicht einer Datenbank (sic!), die Daten sammelt, um voraussagen zu können, wie Menschen in gewissen Situationen reagieren werden. Das ist ein Meilenstein und zugleich der radikalste Song auf dem Album, inhaltlich wie formal.

Live-Darbietung „Hymn of the Acxiom“, digitales Harmonisieren inklusive:

Der Rest des Albums besteht aus einer euphorischen Mischung aus technischen Spielereien, Piano, klassischen und brandaktuellen Themen. „In The 99“ thematisiert die Occupy-Bewegung, „Flyweight Love“ und „Level Up“ sind eher traditionelle Lovesongs. Wobei Tradition in diesem Fall in erster Linie meint „in der Tradition früherer Vienna-Teng-Lovesongs“. Es ist eine ihrer Stärken, sich ein eigenes Klang- und Sprachuniversum geschaffen zu haben, unverkennbar, in ständigem Wandel begriffen. Von äusseren Einflüssen bleibt auch diese Musik nicht unberührt, doch sie werden nicht einfach übernommen, scheint es, sondern reflektiert und in Tengs eigene Klang-Sprache übersetzt.

Cason Cooleys Produktion bringt unterschiedlichste Bestandteile mit Vienna Tengs Songwriting und Stimme zusammen: Tribalbeats, ganze Streichorchester, düstere Synthesizerakkorde. Die Kombinationen funktionieren ausnahmslos. Ein herausragender Song auf dem Album, „Copenhagen (Let Me Go)“, zeigt eindrücklich: Popmusik konnte auch anno 2013 eingängig, emotional berührend und innovativ zugleich sein. Eine schöne Gewissheit zum Jahresabschluss.

Das ganze Album via Spotify hören:

Advertisements

Kommentiere Bitte!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s