Die ultimativen Wavebuzz Top-15-Alben: #5 Franz Ferdinand – Right Thoughts Right Words Right Action

Takte wie Dominosteine stürzten sich im Jahre 2013 ins Gehör aller Franz Ferdinand Fans. Diese Dominosteine fallen nicht nur, sie ge-fallen. Mit „Right Thoughts Right Words Right Action“ haben die Schotten von Franz Ferdinand im August ihr bereits viertes Album herausgebracht. Wir integrieren es in unsere Liste und hören nochmals ein wenig rein.

Franz Ferdinand - Right Thoughts Right Words Right Action

Richtig gedacht, das ist das Cover von Franz Ferdinand – Right Thoughts Right Words Right Action

Bob Hardy, Nick McCarthy, Paul Thompson und natürlich Alex Kapranos. Dieses Quartett hat in den Nullerjahren die Indie-Dance-Musik so geprägt wie kaum eine andere britische Band. NME schrieb, diese Band würde unser aller Leben verändern. Der Spiegel nennt sie: „Tambourmajore in Discolaune“. Wie viele Beschreibungen es innerhalb der letzten Jahre von Franz Ferdinand, ihrer Musik, ihrem Auftreten gegeben hat, weiss nur der Sand am Meer.

I. Das Album
„For Chips and Freedom I could die“
lautet eine Zeile des Liedes „Jacqueline“ vom Debut der Band. Diese Zeile (= für Pommes und Freiheit könnt’ ich sterben) steht stellvertretend für einen ausserordentlich präzisen Textsinn. Zynisch, sarkastisch und ironisch waren sie – und vor allem humorvoll. Waren sie? Hat sich dies geändert auf dem neuen Album? Nein, Kapranos und co sind textlich innerhalb des neuen Albums auf der Suche nach Manuals (=Bedienungsanleitungen), beschreiben böse Körperteile oder frische verrottende Früchte, die biologisch eigentlich Nüsse sind. Das erste Lied heisst „Right Action“ und ist ein gewohnt stampfend-fulminantes Franz Ferdinand Stück. 
„Evil Eye“ heisst der zweite Song und es ist ein Alltagsstück genauso wie ein Horrorstück. Da geht es um einige Menschen, die aus dem „Ich“ den Freak herausholen. Am wortgewandtesten sind zwei immanent-paradoxe Zeilen in der Bridge. Dies sind definitiv Worte, an denen man sich innerhalb der zukünftigen eigenen Lebenszeit festhalten kann. 

„Suspended in Solution
No no theres no solution“

Wenn du in Lösung aufgelöst bist, nein nein, dann gibt es keine Lösung. Das Musikvideo zu „Evil Eye“ lässt sich gut schauen, isst man eine Blutorange dazu:

Franz Ferdinand – Evil Eye (Musikvideo)

Träge, langsame Songs lassen sich ebenso auf dem Album finden: So ist „Goodbye Lovers and Friends“ von Schnecken- statt Hasentempo geprägt. Der letzte Song des Albums, welcher Pop-Musik nicht mag (und dabei eigentlich doch ziemlich poppig ist). Der letzte Song des Albums, der grelle Farben, Blumen und Gedichte hasst. Der letzte Song des Albums, der sich verabschiedet, von einem Gefühl, einer Person, einer Gesellschaft. Und es ist der letzte Song eines Albums, der sagt „You can laugh as if we are still together but this really is the end“. Was????!!! Franz Ferdinand bringen nach diesem kein neues mehr heraus? Conspiracy!

Voller lyrischer Paradoxa und harmonischer Melodik (welches eine nochmalige Steigerung des Paradoxen ist?) ist auch „The Universe Expanded“. But I don’t mind losing you this time / I’ll meet you coming backwards- „The Universe Expanded“, eine Break-Up-Story zweier Menschen und zugleich eine Break-Up-Story mit der Logik. Irgendwie sind die sprachlichen Zeiten hier völlig durcheinander geraten, sodass man keinerlei logischen Ansatz findet, dieses Lied irgendwie zu fassen. Zeitkontraktionen werden in der Zukunft festgemacht und die Ausdehnung des Universums in der Vergangenheit.

Franz Ferdinand – The Universe Expanded (Lyrics-Video)

II. Seltsamer Abschnitt & eine wichtige Frage: Wo ist diese Bedienungsanleitung?
Im Beatle-esquen „Fresh Strawberries“, das sich nur als süsses Liedchen verkleidet, werden tiefgründige Fragen aufgegriffen – beispielsweise ob es leichter sei mit einem Glauben (an was auch immer) zu leben. Hier kommt auch bereits einmal die „Manual“ vor, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht:

Fresh Strawberries (Bildquelle:

Fresh Strawberries

„Please believe
Everybody steals
But I believe there’s nothing to believe
But I love the manual the
Instruction manual
Or liars swear that never lie“

Die zweite Bedienungsanleitung versteckt sich in dem wohl tanzbarsten Song des Albums, „Treason! Animals“. Dieser Text ist wirr und gleichermassen psychedelisch: Irgendwie geht es um Tiere, die gleichzeitig Bäume sind, um die Liebe zu Narzissten und Spiegel. Und um diese ominöse „manual“ einmal wieder:

„Hey friends, I just need to hear voices
Do you bring the manual
Bring me the repair manual
Something has really, really gone wrong.“

Die Gitarre und das Sprunggeräusch in der klanglichen Hintergrundkulisse lassen das Lied lebendig werden. Wieso denn diese Bedienungsanleitung? Gemäss Wikipedia wollte Alex Kapranos bereits seit seinem 19-ten Lebensjahr ein Album mit einer speziellen Idee verwirklichen: „the idea of the cynic’s search for optimism and the sceptic’s search for a manual crop up here and there.“ Ein Buch von Alasdair Gray namens Lanark: A Life in Four Books sei dabei thematisches Vorbild gewesen. Der Protagonist sei eine faszinierende Person für Kapranos. Liest man die Inhaltszusammenfassung des Buches, kann es vielleicht sein, dass Kapranos Recht haben könnte.

„(…) In Book Three, a young man awakes alone in a train carriage. He has no memory of his past and picks his name from a strangely familiar photograph on the wall. He soon arrives in Unthank, a strange Glasgow-like fantasy city in which there is no daylight and whose disappearing residents suffer from strange diseases. Lanark begins to associate with a group of twenty-somethings to whom he cannot fully relate and whose mores he cannot understand, and soon begins to suffer from dragonhide, a disease which turns his skin into scales as an external manifestation of his emotional repression. Lanark is eventually swallowed by the earth, and awakes in the Institute, a sort of hospital which cures patients of their diseases but uses the hopeless cases for power and food. Upon learning this, Lanark is horrified and determines to leave.“

Inwiefern nun dieser literarische Einfluss musikalischen Boden auf dem diesjährigen Franz Ferdinandschen Album gefasst hat, sei dahingestellt. Wo die Bedienungsanleitung ist, wissen wir ja auch nicht.

Lanark

Lanark A Life in Four Books (Autor Alasdair Gray) / Buch aus dem Jahr 1981 (UK) – Quelle Buchcover: Waterstones Bookshop

III. FF und das Remixen
Von „Right Thoughts Right Words Right Action“ (puh, langer Albumname vielleicht?) haben Franz Ferdinand den einen oder anderen Song remixen lassen. So gibt es auf Spotify ein kleine Kollektion von Evil Eye Remixes (von Alan Braxe, The New Sins und In Flagranti) zu finden:

Man erinnert sich auch an ihr vorhergehendes, drittes Album „Tonight“ zu welchem es „Blood“ gab, eine selbsterzeugte Remixspiegelung von „Tonight“. Weiterhin haben viele elektronische Musik produzierende Menschen Franz Ferdinand Songs gecovered. Bsp: Daft Punk mit „Take Me Out“ oder hier im folgenden Trentemøller mit „No You Girls“:

Domino Records schreiben auf ihrer Website einen Werbetext: „Franz Ferdinand are still Alex Kapranos, Nick McCarthy, Bob Hardy and Paul Thomson. There’s still no one like them.“ Und für einmal ist Werbung nichts anderes als die wahre, illuminierte Liebe.
KEEP BUZZIN‘ and keep being „in love with your pharmacist.“

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