Die ultimativen Wavebuzz-Top-15-Alben 2013: #3 Friska Viljor – Remember Our Name

Als Joakim Sveningsson und Daniel Johansson sich kennenlernten, waren sie zwei von der Liebe enttäuschte Jungs, die sich ihren Frust von der Seele trinken und musizieren wollten. Fünf Studioalben später sind sie beide Familienväter, Ehemänner, gereifte Herren, die ihre Bärte mit Würde tragen. Geblieben ist der angesoffene, immer zugleich melancholische und euphorische Sound.

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Der Ruhm, den sich die Schweden vor allem im deutschsprachigen Raum erspielt haben, gründet zu einem grossen Teil auf ihren hervorragenden Live-Auftritten. Weshalb das so ist, lässt sich auch auf „Remember Our Name“ einmal mehr nachhören. Songs wie etwa „Stalker“ oder „Bite Your Head Off“ sind mit ihren hüpfenden Grooves und sofort memorierten Melodiebögen geschaffen für Konzerte, für beschwipste springwillige Massen im Feierfieber. Der Band gelingt es aber, Songs zu schreiben, die auch ausserhalb des Konzert-Kontexts nicht lächerlich wirken, sondern – sympathisch.

Kann Musik sympathisch sein? Oder sind es die, die sie erzeugen? Beides lässt sich nicht abschliessend beantworten, doch wer sich einmal „Until The End“ anhört, wird sich vielleicht einen Begriff von sympathischer Musik machen können. Das ist simpel, fast simplistisch, anstatt grosser Worte, belässt man es im Refrain bei der bekanntesten Pop-Phrase: „La la la“. Das ist so einfach, dass man geradezu in ein vegetatives Schlager-Schunkeln verfallen möchte. Und sich noch nicht einmal daran stört!

Grosse Kunst, wenn ihr mich fragt.

Dass Friska Viljor nicht nur das Banale zur Kunst erheben können, sondern auch tatsächliche Songkunst beherrschen, beweist ihr bisher ambitioniertester Titel „Flageoletten“. Der fast fünfeinhalbminütige Song ist ein dramaturgisch perfekt organisiertes Kunstwerk. Hier lassen sie sich Zeit: ganze zweieinhalb Minuten bis zum ersten Ausbruch des Refrains zum Beispiel. Und was für ein Refrain das ist! Auch die Instrumentierung ist perfekt inszeniert, Trompeten und Klarinetten, Xylofon und was auch immer sich da noch alles tummelt: als Gesamtkonstrukt wirkt es wie aus einem Guss.

Wie „Flageoletten“ zeigt auch der das Album abschliessende Fast-Titelsong, dass die beiden Schweden neben gutgelauntem Party-Folk für gutgelauntes Partyvolk auch in der Lage sind, das Dreiminuten-Format erfolgreich zu sprengen – und dass sie auch ruhigere Töne beherrschen. „Remember My Name“ ist der besinnlich-nachdenkliche Abschluss eines erfreulichen Albums, auf dem die Band ihre hauseigene Mischung aus frustbesoffener Melancholie und lebensbejahender Euphorie zelebriert.

Das ganze Album via Spotify hören:

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