Keine Angst, ist nur „Ja, Panik“ mit neuem Album: Libertatia (2014)

Keine Kopfschmerzenmusik für nach der Party, der „After the Disco“-Moment ist bei ihnen bereits vorüber. Vielmehr machen Ja, Panik aus Österreich (zurzeit in Berlin weilend) Musik für – wie sie selbst gesagt haben – eine Stimmung „nach dem Kater“, für ein Aufstehen aus einer passiven Neigung. „Libertatia“ heisst ihr neues Album und spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, diese Band etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Textlich starke multilinguale Phrases mit smoothen Indie-Melodien. 

Aus Rockmusik mach Popmusik / Ja, Panik - Libertatia (2014)

Aus Rockmusik mach Popmusik:  Ja, Panik – Libertatia (2014)

DIE TRAURIGKEIT DES KAPITALISMUS
Stilistisch haben sich Ja, Panik von ihrem alten Werk entfernt, welches oftmals punkig mit 70er-Jahre-Einflüssen daher kam (bsp. „Ja, es stimmt“ oder „zwischen 2 und 4“). Entgeistert, resigniert und übersättigt hat sich die Band im Jahr 2011 mit ihrem letzten Album DMD KIU LIDT (Die Abkürzung bedeutet „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“) gezeigt. „Grey & Old“, „Modern Life Is War“ und „Suicide“ heissen nur einige sich in diese depressive Richtung neigende Songtitel. Lebensqualität vor Liebe hiess es im Lied „The Horror“ („I don’t need you like I need no borders, no nations I need none of you lose-lose situations“). Da man beides nicht hatte, hatte man nichts.

JA, PANIK – NEVERMIND (2011)
Hier ein Lied aus der Zeit der Traurigkeit. Jede Strophe handelt von einem Bandmitglied, der darin vorkommende „Mr. Bloom“ ist eventuell eine Anspielung auf den Protagonisten des James Joyce Werks „Ulyssees“ und  typisches Beispiel für die Melierung der Sprache.

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LIBERTATIA. DU SIEHST GUT AUS, PERSPEKTIVENWECHSEL
Libertatia als „unsere zweite erste Platte“  so Ja, Panik Sänger Andreas Spechtl im Spiegel. Eine Wiedergeburt, eine Neuinterpretation des traurigen Kapitalismus? Ist die politische Resignation etwa vorbei? Ein Nein innerhalb des Ja: Die Resignation wird nämlich nur anders verarbeitet: aktiver und fröhlicher mit etwas „Flower Power“. Und so wird auch das Politische durch die Blume mitgeteilt: Wird doch manchmal davon gesprochen, man solle ein europäisiertes Verständnis entwickeln. Etwas angeschnitten scheint dieser Appell durch die stilisierte Sprachvermischung. Tanzbare Panikmache für Freigeister ist „Libertatia“. Der Song „Dance The ECB“ ist tanzbar mit Arpeggio-Gitarre mit einem lockeren „shake the government off“. Zur Single „Libertatia“ hat die Band das wohl abartigste Musikvideo seit langem gedreht: Darin sitzen alle drei Bandmitglieder im Bad (zwei davon in der Wanne, einer davon am Rand) und während des ganzen Videos werden luftige Armbewegungen gemacht und bis ins Absurde hinein wiederholt.

„Ich wünsch mich dahin zurück, wo’s nach vorne geht
Ich hab auf back to the future die Uhr gedreht.
Space ist the place der die Flüchtigen liebt.
Ganz wie jeder Anfang in Trümmern liegt.“

JA, PANIK – LIBERTATIA (Musikvideo)

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FAZIT: Libertatia besitzt verborgene Stärken, wie Kaffee aus Madagaskar, der zunächst gemahlen werden muss. Die Stärke, die Ja, Panik ausmachte, ist trotz Perspektivenwechsel immer noch vorhanden: Starke Texte, die sich im Zusammenspiel mit der Musik und der Sprachverzerrung neu verfärben. Also wir sind leicht positiv angetan und liken das Album totally.

Albumnote: 8/10

Lustigster Titel: „Post Shakey Time Sadness“
Schönster Titel: „ACAB“ – aus dem geläufigen „all cops are bastards“ wird ein „all cats are beautiful“
Mehrdeutigster Titel: „Au Revoir“

LIBERTATIA X SPOTIFY:

ON TOUR 2014 : ERWISCHE DIE PANIK MIT EINEM JA
(Ja, Panik spielen am nächsten Samstag am 08. Februar im Stall 6 in Zürich, hingehen!
Hier gibts Tickets)

06/02/14 DE Frankfurt – Zoom
07/02/14 DE Stuttgart – Keller Klub
08/02/14 CH Zürich – Stall 6
10/02/14 DE München – Strom
11/02/14 DE Erlangen – E-Werk
12/02/14 DE Leipzig – Conne Island
13/02/14 DE Berlin – Lido – SOLD OUT
20/04/14 DE Dresden – Beatpol
21/04/14 AT Wels Alter – Schlachthof
22/04/14 AT Graz – Bang Bang Club
23/04/14 AT Salzburg – ARGEkultur
24/04/14 AT Innsbruck – Weekender
25/04/14 CH St. Gallen – Palace
26/04/14 DE Heidelberg – Karlstorbahnhof
28/04/14 DE Düsseldorf – Zakk
29/04/14 DE Münster – Gleis 22
30/04/14 DE Bremen – Theater Bremen
02/05/14 DE Rostock – Helgas Stadtpalast
13/05/14 DE Berlin – Lido – ZUSATZKONZERT

KEEP BUZZIN‘ & Au Revoir, Auf Wiedersehen, Goodbye.

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