Doors-Tribute, die Eintausendvierhundertneunzigste.

psych

Hurra! Ein neues Doors-Tribute-Album ist da: „A Psych Tribute to The Doors“. Wollen wir das? Wenn’s gut ist. Ist’s gut? Mitnichten.

Erinnern wir uns zurück: das Jahr 2000, das inzwischen sehr bekannte Doors-Tribute-Album „Stoned Immaculate“ erscheint. Darauf versammelt sind Interpretationen der Doors-Standards und einige unveröffentlichte Doors-Schnipsel. Die Band Train präsentiert ihre Interpretation von „Light My Fire“, über die man sagen kann, was man will, zum Beispiel, dass sie ziemlich schlecht ist. Schon besser: „Break On Through“ gespielt von den Stone Temple Pilots, „Love Me Two Times“ von Aerosmith (kraftvoll, für Steven Tyler natürlich wie geschaffen), „Love You Madly“ von Bo Diddley (genial). Der Rest besteht aus viel Leerlauf, wenigen Überraschungen: ein solides, aber verzichtbares Album.

Seit da gab’s immer wieder einzelne Covers, Live-Covers, obskure Alben wie George Winstons Doors-Piano-Tribut „Night Divides The Day“ (2002), und so weiter. Und nun wird erneut auf Albumlänge tributiert, unter dem Label „Psych“. Das Cover kommt gleich hübsch mit Illuminati-Auge und botanischem Garten daher: mystisch, Hippie-Ästhetik, man erwartet drogeninduzierte Gitarren-Exzesse – und liegt damit richtig.

Der Opener „L.A. Woman“, gespielt von der kanadischen Band Elephant Stone, gammelt über siebeneinhalb Minuten im Cannabisdunst zwischen Brian Jonestown Massacre und Jefferson Airplane mit eingeschlafenen Füssen dahin. Ebenso zerfransen Dark Horses den Mainstream-Pop von „Hello, I Love You“ zu einem fünfminütigen Freakout und Wall of Death de(kon)struieren „Light My Fire“ gleichermassen. Die Songs versinken zu oft in den üblichen Psychedelia-Klischees, verlieren ihren Reiz, ihre Einzigartigkeit, fühlen sich an wie eine starke Dosis Valium.

Einige Tracks, denen man zumindest das Etikett „interessant“ anheften kann, gibt es: Clinic verzerren „Touch Me“ (fast) bis zur Unkenntlichkeit, verwandeln den euphorischen Sound des Originals in eine introspektive Klage, eine Depression fast. Eine Band namens Sons of Hippies aus Florida kümmert sich um das überraschendste Tribute: eine Version des ambitionierten Acht-Minuten-Tracks „The Soft Parade“: es ist ein schmaler Grat zwischen cleverer Umsetzung und grandiosem Scheitern, spannend ist es auf jeden Fall, einen Morrison-Song mal von einer Frau gesungen zu hören. Die Dead Skeletons spielen „Riders On The Storm“ mit starkem Morricone-Western-Touch, verlieren dabei aber den Song irgendwo in den Weiten der Prärie aus den Augen. Und der schönste Song? „The End“, komprimiert auf drei wehmütige Minuten, vorgetragen von der dänischen Band The Raveonettes. Der grossartige Abschluss eines nicht so grossartigen Albums. Wer deftigen Psychedelic Rock magt, wird dieses Album vermutlich mögen – den Doors gerecht aber wird es nicht.

Und was kommt als nächstes? Gerhard Polt and the Biermösl Blosn mit „An Oberboarische Stubnmusi Tribute to The Doors“? „A Norwegian-Fijian Ethnojazz Tribute to Jim Morrison’s Poems“? „Helge sings Morrison“? Wir sind gespannt. Oder auch nicht. Auf jeden Fall hören wir jetzt wieder einmal die echten Doors:


Das ganze Album auf Spotify hören:

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