Rezension: Foster The People – Supermodel (2014)

Auf ihrem zweiten Studioalbum „Supermodel“ erobern Mark Foster und seine Band textlich neues Terrain, üben sich in harscher Kritik an der Konsumgesellschaft und den wüsten Seiten des Kapitalismus, bleiben sich (und den Bands, die sie imitieren) musikalisch aber treu. Beissen sich die negativen Botschaften und ein Himmel voller synthetischer Geigen und Falsettstimme?

ftp

Erinnern wir uns zurück an FTPs grossen Hit „Pumped Up Kicks“: da geht es um einen verstörten Teenager namens Robert, der mit einer geladenen Pistole und jeder Menge homizidaler Gedanken durch die Gegend streunt. Die Basslinie und die Melodie, die ihm FTP mit auf den Weg gegeben haben, sind aber so verdammt catchy, dass der Song zum viralen Sommerhit wurde. Hier standen sich düsterer Text und euphorischer Sound nicht im Weg – und auch auf dem neuen Album tun sie dies nicht.

Es mag an Mark Fosters Ausbildung liegen: vor seinem Durchbruch arbeitete er als Jingleschreiber, d.h. er weiss, was funktioniert und ist es sich gewohnt, die verschiedensten Stilrichtungen zu bedienen. Wie das Debüt „Torches“ (2011) ist auch die neue Scheibe „Supermodel“ eine irrwitzige Pastiche aus allem, was in den letzten Jahren im Bereich Alt.Rock und Pop eben funktioniert hat.

Der Opener „Are You What You Want To Be?“ greift auf die Tribalbeats und perlenden Gitarren zu, die Vampire Weekends Markenzeichen sind; „Coming of Age“ evoziert das hymnische, stadiongrosse Glitzergefühl, das The Killers pflegen; „Pseudologia Fantastica“ ist ein in dicke Soundwatte gepappter Psych-Rock-Track, der wahlweise an MGMT oder Tame Impala denken lässt; und so weiter.

Und doch fühlt man sich von diesen Anleihen bei anderen Bands nie gestört, denn wenn FTP sich durch diese verschiedenen Formate spielen, tun sie das mit Hingabe, mit Euphorie, mit guten Songs. Ein massiver Hit ist auf dieser zweiten Platte nicht auszumachen, am nächsten kommt ihm vielleicht die grandiose aktuelle Single „Best Friend“ mit ihrem unverschämten funky Basslauf und den spritzigen Brass-Arrangements.

Ansonsten aber scheint sich die Band bewusst vom Drei-Minuten-Pop wegzubewegen: der kürzeste Song auf „Supermodel“ ist fast viereinhalb Minuten lang, immer sind da gewisse Ecken und Kanten, die einen Song vor einem Dasein als glattpolierter Pop bewahren. Schönes Beispiel: die heftig verzerrten Gitarren, die die falsettierende Harmonie von „A Beginner’s Guide To Destroying The Moon“ durchkreuzen.

Und dann ist da, inmitten des Trubels, plötzlich ein ganz intimer Song: „Fire Escape“, nur Stimme(n), akustische Gitarre und eine an den Haaren herbeigezogene Metapher („I am a fire escape / My spine’s made of iron / My heart pumps the red old paint“). Macht nichts, denn das ist ein zauberhafter kleiner Song – und natürlich auch etwas, das funktioniert: das Konzept Mann mit Gitarre erfreute sich in den letzten Jahren ja nicht unbedeutender Popularität.

Manche mögen FTP dieses, sagen wir: offensive Sich-inspirieren-lassen ankreiden, doch das wäre verfehlt. Die Band weiss a) was funktioniert, also dem ominösen Zeitgeist entspricht und b) wie man einen guten Song schreibt. Diese beiden Tatsachen kombiniert machen auch ihren Zweitling „Supermodel“ zu einem höchst vergnüglichen Album.


Das ganze Album via Spotify:

Aktuelle Tourdaten via Songkick.

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