Rezension: KONGOS – Lunatic (Epic, 2014)

Eine Rockband mit Akkordeon: diese Prämisse allein schreit ja schon nach geballter Grossartigkeit. Und tatsächlich ist das Debütalbum der vier Südafrikaner KONGOS ein Ausbund an eklektischem Spass für die grossen Arenen. 

kongos

KONGOS, das sind die Brüder Johnny, Jesse, Dylan und Daniel Kongos, griechischstämmige Südafrikaner, aufgewachsen in Johannesburg und London, heute in Phoenix, Arizona, zuhause, wo auch ihre Musik entsteht. Auf ihrer Ahnentafel steht ein grosser Name, und zwar der ihres Vaters John Kongos, der in den Siebzigerjahren mit „He’s Gonna Step On You Again“ und „Tokoloshe Man“ zwei grandiose Glamrock-Hits verbuchen konnte. Grosse Namen finden sich auch auf der Liste der Bands, die KONGOS auf Tour begleiten: im Moment ziehen sie mit den Kings of Leon  durch die USA, ab Oktober werden sie dann One Republic auf deren Europa-Tournee unterstützen.  Die Referenzpunkte versprechen grössenwahnsinniges Rockgenie, Glamour, perkussive Ekstase und die ganz grossen, ganz simplen Melodien. Hört man KONGOS‘ „Lunatic“, darf man sagen: stimmt.

Als Single ging „Come With Me Now“ dem Album voran: ein aggressiver Song, der sich zwischen selbstvergessenem Irish-Punk und Muse-artiger Theatralik nicht entscheiden will, aber dennoch funktioniert. „I need to move, I need to fight / I need to lose myself tonight“, heisst es an einer Stelle – und genau so klingt das auch. Das Video dazu ist ebenfalls ein ästhetisches Ereignis:

In einem wilden Ritt bewegen sich die vier Brüder auch auf den restlichen Songs durch unterschiedliche Stilrichtungen. Der Opener „I’m Only Joking“ gibt sich noch stärker dem Neo-Prog hin, wie ihn eben erwähnte Muse pflegen, und vermengt ihn einem markanten Glamrock-Groove – Klingt also wie „Uprising“ von Muse? Ja.

„I Want To Know“ wiederum glänzt mit einem sanften Reggae-Vibe und angenehmen Gesangsharmonien, „Escape“ mit indiefolkiger Endzeitstimmung, „As We Are“ überzeugt als ziemlich kitschige Rockballade, „Traveling On“ als weniger kitschige Folkballade. Und so weiter.

Die Texte ergehen bisweilen in einer Art von Gesellschaftskritik, die zwar unbeholfen scheint, jedoch ehrlich und direkt ihre zentralen Aussagen auf den Punkt zu bringen versteht. Zentrale Kritikpunkte sind emotionale Abstumpfung und Informationsflut („Sex On The Radio“, „It’s A Good Life“).

So. Und dann gibt es da noch: „Hey I Don’t Know“, der sich vielleicht als KONGOS‘ Versuch verstehen lässt, etwas mehr Synthesizer in ihren Sound zu integrieren. Und noch mehr Groove. Es gibt genau eine Art, diesen Song richtig zu geniessen – LAUT! Vergesst die Nachbarn und die brütenden Vögel für vier Minuten und dreht die Anlage auf maximales Volumen. Hier kommt der Rocksong des Jahres:

Das Video, in Zusammenarbeit mit GoPro, ist auch sehenswert. Ein Livekonzert aus ungewöhnlichen Perspektiven –

Zwölf vielfältige, zitatenreiche Songs versammeln die vier Südafrikaner auf ihrem Debüt „Lunatic“, das wahrlich nur sehr wenige schwache Momente hat. Die Band macht Musik für die ganz, ganz grossen Arenen, durch die sie momentan noch als Vorband zieht. Doch wer weiss, ob sie nicht selbst bald Headliner sein werden? Die Kings of Leon und OneRepublic, scheint es, kann dieses Quartett mit dem kleinen Finger in Grund und Boden spielen.


Das ganze Album auf Spotify hören:

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3 Antworten zu “Rezension: KONGOS – Lunatic (Epic, 2014)

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  2. «Eine Rockband mit Akkordeon: diese Prämisse allein schreit ja schon nach geballter Grossartigkeit.» – Oder nach ESC-Beiträgen aus Europas Osten. 😉 Nice Empfehlung anyway, thx!

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