Rezension: Bishop Allen – Lights Out (Dead Oceans, 2014)

Wenn nächste Woche das vierte Studioalbum der New Yorker Powerpop-Band Bishop Allen erscheint, wird sich die Resonanz wieder kaum über eine Handvoll eingeweihter Indie-Medien hinaus bewegen. Ein Jammer, denn was die Band mit „Lights Out“ vorlegt, ist nichts anderes als ein für sein Genre perfektes Album.

lightsout

Dancing In The Dark: Im Dunkel der Gefühle spüren Bishop Allen dennoch den festen Boden der Musik unter den Füssen.

Zunächst eine kleine Lektion in Bandgeschichte: Epizentrum von Bishop Allen sind Justin Rice und Christian Rudder. Beide arbeiten bisweilen auch als Schauspieler; zudem hat Rudder, studierter Mathematiker, die Datingsite OkCupid mitentwickelt. Die Band Bishop Allen gründeten die beiden, die zuvor zusammen eine Hardcore-Punk-Band hatten, 2003.  Neben ihnen gehören Rices Frau Darbie Nowatka, Bassist Keith Poulson und Drummer Michael Tapper zum Line-Up. Das erste Album „Charm School“ erschien noch im Gründungsjahr. Drei Jahre danach starteten sie das produktionswütige Projekt „12 EPs“: 2006 veröffentlichten sie jeden Monat eine EP mit neuem Material, 2007 schliesslich wurden die besten Stücke daraus als Album unter dem Titel „The Broken String“ veröffentlicht. 2009 erschien ihr bisher letztes Album „Grrr…“, das zu Unrecht mit weniger guten Kritiken abgekanzelt wurde.

Nun also, nach der bislang längsten Pause der Bandkarriere, erscheint „Lights Out“. Eine Sammlung von zwölf Powerpop-Songs, angeführt von Opener und Lead-Single „Start Again“, einem adäquat betitelten Beginn, der Bishop Allens nicht zu leugnende Stärken deutlich zu erkennen gibt: bittersüsse Melodien, eingängige Hooks, romantisch-nachdenkliche Texte, beschwingte Rhythmen. Powerpop eben – in aller seiner unkomplizierten, leicht nachvollziehbaren Glorie.

In „Why I Had To Go“ heisst es:

„There was a party
and there was sorrow
it was impossible
to picture a tomorrow“

Ausweglosigkeit, verpasste Chancen, Weltverlorenheit, die Liebe mit all ihren Himmeln und Höllen – das sind die unausweichlichen Themen der Band, stets gehüllt in sanft melancholische, aber doch hoffnungsvolle Melodien. Als vermöchte die Milde der Musik die Kraft der Gefühle abzuschwächen. Und, hat man dieses Album gehört, weiss man spätestens: der Konjunktiv ist fehl am Platze, denn sie vermag es tatsächlich.

Bishop Allen zelebrieren ihre Songs gefühlvoll und engagiert. Seien es perkussive Stücke wie das leicht an Vampire Weekend erinnernde „Crows“ oder das an die nicht weniger grossartigen Guster anklingende „Hammer And Nail“, seien es die zartbitteren Perlen, bei denen Darbie Nowatka die Lead-Vocals übernehmen darf, „Black Hole“ und „Shadow“, seien es die unverschämt funky Takes „Good Talk“ und „Bread Crumbs“: Bishop Allen tun auf „Lights Out“ alles mit einer Souveränität, die erfahrene, abgebrühte, aber nach wie vor vor Kreativität und Spielfreude sprudelnde Songwriter zu erkennen gibt.

Wie gut das Album wirklich ist, zeigt auch die Tatsache, dass sich selbst bei den deep-cuts noch wahre Glanzlichter verbergen. Hervorzuheben sei an dieser Stelle insbesondere Song Nummer Elf, „No Conditions“. Ruhige Strophen wechseln sich ab mit einem Refrain, dessen schmachtende, sehnsuchtsvolle Gitarrenriffs und Melodie perfekt die Grundstimmung des Songs – eine kämpferische Klage im Angesicht einer schlimmen Krankheit – wiedergibt.

Von Powerpop erwarte ich, dass er die unausweichlichen Themen des Lebens in ungefähr drei Minuten, verpackt in eine gerade so unausweichliche Melodie, erinnerungswürdig und präzise auf den Punkt bringt. Im Jahr 2014 hat diese Erwartungen niemand so gut erfüllt wie Bishop Allen mit ihrem neuen Album „Lights Out“.

 

 

Streamen kann man das volle Album bereits via NPR: http://www.npr.org/2014/08/10/338016968/first-listen-bishop-allen-lights-out#playlist 

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2 Antworten zu “Rezension: Bishop Allen – Lights Out (Dead Oceans, 2014)

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