Rezension: Trümmer – Trümmer (PIAS / Rough Trade, 2014)

Paul Pötsch spielt Gitarre und singt, Tammo Kasper zupft Bass und Maximilian Fenski haut den Takt an auf seinem Schlagzeug. Trümmer sind die, meist aus Asphalt bestehenden, Überreste eines Bauwerkes. Was ist hier zerstört worden und wie klingt eine Band, die sich nach einem destruierten Steinhaufen benannt hat? Ihr Debütalbum „Trümmer“ gibt es schon seit Ende August 2014 und wurde von PIAS / Rough Trade veröffentlicht.

Bild via http://byte.fm/magazin/blog/2014/02/21/die-gegenwart-ist-toll-genug-die-hamburger-newcomer-trummer/

Schwarz-Weiss und das Grau des Alltags; Trümmer. (Bild via Byte.fm)

Sie sind eine weitere Band, welche sich es vorgenommen hat, durch die Poetik ihrer Texte die Gesellschaft auf sanfte Weise zu beschreiben (man denke vielleicht an die Goldenen Zitronen, Blumfeld oder Tocotronic). Bei der sanften Gesellschaftsbeschreibung bleibt es bei Trümmer jedoch nicht. Das Lieblingsthema der jungen Band ist die Jugendlichkeit, die Rebellion und das Gefühl-Des-Niemals-Altwerden. Und wenn etwas nicht altert, dann ist es genau dieser Themenblock. Es geht in manchen Songs spezifisch um das Älterwerden und das Gefühl, immer jung zu bleiben („In All Diesen Nächten“, „Schutt Und Asche“).

Das nach Hamburg zugereiste Trio schreibt aber auch Songs über Normierungszwang und dessen Folgen. In der Single „Wo Ist Die Euphorie“ ist die Frage bereits im Titel. Hier wird – wie in so manch anderen Liedern der „Trümmer“-Platte („Die 1000. Zigarette“) – die durchschnittliche mitttelgrosse Stadt beschrieben. Von der Musik her ist „Wo Ist Die Euphorie“ melodiös und gitarrenlastig. „Teenage Angst“ in jeder Zeile versteckt; der Text simpel und nahe:

Weil sie sich aber bewusst, musikalisch und auch optisch, sehr fest in den Spuren älterer Grössen tummeln, könnte so mancher ihnen vielleicht Kreativitätsmangel vorwerfen. Andererseits ist eine gute Kopie eines zeitlich verblassten Originals nicht zu verwerfen. Etwas kulturpessimistisch ausgedrückt: Die resignierte Grundstimmung ist auch heute bei vielen Jungen all(tags)gegenwärtig. Und wieso sollte sich eine junge Band wie Trümmer für ihr Debüt nicht dem Leitsatz widmen, den sie auch in einem Songtitel verewigten? „Zurück Zum Nichts.“ Wir schlagen unser Nietzsche Buch auf.

Download

Note: 7 / 10

TOUR INFO:
Bisher sind Konzerte von Trümmer nur in Deutschland und Österreich geplant. Die Daten wären die folgenden:

30.10.2014 Berlin Cassiopeia
31.10.2014 Leipzig Täubchenthal
01.11.2014 Hannover Lux
02.11.2014 Darmstadt Goldene Krone
03.11.2014 Nürnberg Stereo
04.11.2014 Wien Rhiz
05.11.2014 Würzburg Cairo
06.11.2014 Heidelberg Häll
07.11.2014 Köln King Georg
08.11.2014 Essen Hotel Shanghai
09.11.2014 Hamburg Molotow
27.11.2014 Bayreuth Glashaus
28.11.2014 Stuttgart Zwoelfzehn

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5 Antworten zu “Rezension: Trümmer – Trümmer (PIAS / Rough Trade, 2014)

  1. Pingback: [Wavebuzz] Rezension: Trümmer – Trümmer (PIAS, 2014) - #Musik | netzlesen.de·

  2. Ein SPON-Redakteur hat die Texte von Trümmer eher als optimistisch bezeichnet. Interessant, wie entgegengesetzt hier interpretiert wird. Aber genau das macht gute Songtexte aus: die Möglichkeit zu interpretieren. Schöner Artikel.

    • Vielen Dank für den differenzierten & netten Kommentar. Die textlichen Auslegungsmöglichkeiten sind wahrhaftig vielschichtig. Soweit sich das Positive mit dem Negativen vereinen lässt, sind sie hier allenfalls sogar beide vorhanden, verborgen im Trümmerhaufen.. 🙂

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