Rezension: Delta Spirit – Into The Wide (Dualtone, 2014)

Schon 2012 wollten die fünf Kalifornier von Delta Spirit jegliche Genre-Etikettierungen hinter sich lassen, was insbesondere hiess: Der Bezeichnung „Americana“ entfliehen. Ganz entgegen der ur-amerikanischen Tradition sind sie mittlerweile von Westen nach Osten gezogen, von der Zoostadt San Diego in den Zoo der Stadt New York: Brooklyn. Hier, auf diesem Tummelplatz der kreativen Köpfe, haben sie ihr viertes Album „Into The Wide“ ausgearbeitet.

delta spirit

Ein Klavier, ein Klavier. Aber Achtung: Delta Spirits neuster Streich setzt weder auf Solopiano noch auf begrenzende Wände.

„Ode To Sunshine“ (wie kalifornisch!) und „History From Below“ (2010) heissen die ersten beiden Alben im Katalog von Delta Spirit. Es sind traditionalistische Alben, eingespielt von einem geschichtskundigen Quartett, das sich vorwiegend bei Folk, Blues und Country bediente, um einen rauchigen, zutiefst amerikanischen Sound zu kreieren. Zum selbstbetitelten, dritten Album 2012 gab es dann eine Veränderung: Aus dem Quartett war ein Quintett geworden, das sich in einem dichteren, glatteren Klangkostüm präsentierte.

Das neue Album „Into The Wide“ treibt diese Entwicklung nun noch einen Schritt weiter. Noch hymnischer sind die Melodien, noch glatter die Produktion, mächtig dröhnende Synthesizer-Klänge unterstützen häufiger die Gitarren (etwa in „Take Shelter“ und „Hold My End Up“). Dank der charakterstarken Stimme von Matthew Vasquez und den dominanten Rhythmen wirken die Songs dennoch nie steril.

„From Now On„, das als erste Single dem Album voranging (und mit einem Video gesegnet, das im Gegensatz zum Song das Etikett ‚Americana‘ nicht verleugnen kann), fasst in drei Minuten gut zusammen, was die Stärken der Band sind, es ist gewissermassen der Prototyp jener Art hymnischer, perkussiver Rockmusik, wie sie die Band seit 2012 pflegt.

Delta Spirit, gegründet vor knapp zehn Jahren, sind alte Hasen, die sich die jugendliche Frische bewahrt haben. Es ist ihnen gelungen, die unbändige Energie, die sie bekannt gemacht hat, in eine neue musikalische Form zu überführen, ohne dass etwas von ihrem Reiz verloren gegangen wäre. Obschon das neue Album in einem  „flood-ruined, cave-like, rat-colonized room“ in Brooklyn geschrieben wurde, atmen die Songs – aufgenommen wurden sie letztlich in der Nähe eines alten Frachthafens – trotz bisweilen düsterer Texte den Geist von Freiheit und Grossmütigkeit. Bestes Beispiel hierfür ist vielleicht das überwältigende „For My Enemy“. Und nicht zuletzt beweisen Delta Spirit mit dem letzten Song des Albums, „The Wreck“, einer aufrichtigen Liebeserklärung von Sänger Vazquez an seine Frau, dass sie auch das gefühlvolle Metier (mit einer gerade noch akzeptablen Menge Kitsch) beherrschen.

Obschon nicht alle Songs auf dem Album gleichermassen zu überzeugen vermögen, ist es nicht vermessen zu sagen: „Into The Wide“ ist zwar das bislang kommerziellste, aber auch das beste Album von Delta Spirit.


So, und nun fix rüber auf die Website der Band, wo man sich alle Songs als Playlist, teilweise mit Live-Videos, anhören kann.

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