Konzertbericht: Guster (Kinski, Zürich, 16.03.2015)

guster

Bild: kinski-klub.ch

Ein glückliches kleines Publikum kam gestern Abend im ordentlich gefüllten Keller des Zürcher Clubs Kinski in den Genuss einer hervorragenden Liveband, die an einigen unerwarteten Hindernissen nur noch mehr wuchs: Guster machten zum Abschluss ihrer Europa-Tournee Halt in der Schweiz, spielten sich quer durch ihr umfangreiches Werk, wurden von Betrunkenen belagert und hatten letztlich „nowhere to go“. Ein ereignisreicher, rundum fantastischer Abend!

Vor dem Hauptact: Ein junger Mann mit Gitarre macht seine Aufwartung. Name: Luke Rathborne. Beruf: Support Act, Wannabedylan, Reisser des unverstandenen Witzes. Eine gute Stimme und hübsche Melodien trösten über mangelnde Spieltechnik und Texte wie „I suck, you suck, we suck together“ hinweg. Seine enthusiastisch vorgetragenen Weisen bereiten vor auf die Band, wegen der wir an diesem Abend gekommen sind: Guster.

Guster sind ein hierzulande wenig bekanntes Quintett aus Boston, Massachusetts, mit einem Katalog von sieben Studioalben seit 1995. Bekannt sind sie für ihre melodiöse, intelligente Gitarrenmusik (Touren z.B. mit Nada Surf, Ben Folds und Rufus Wainwright) sowie für ihre Live-Shows, die von der Dynamik des Zusammenspiels und der Nähe zum Publikum leben. Trademark der Shows ist das häufige Wechseln der Instrumente: Mit Ausnahme von Drummer und Bongogott Brian Rosenworcel blieb meist keiner der Musiker für länger als einen Song am selben Instrument.

Adam Gardner glänzte besonders: Neben Gitarre, Bass und Keyboard griff er auch zur Trompete (für den Opener „Ruby Falls“ und das beschwingte „What You Call Love“) und durfte ganz zum Schluss noch unter Beweis stellen, dass er über eine hervorragende Lead-Stimme verfügt. Für den Leadgesang zuständig ist ansonsten Ryan Miller, ein Meister der verschlafenen Frisur, des knochentrockenen Humors, gesegnet mit einer in hohen und tiefen Lagen wunderbaren Stimme. Miller wurde vor unerwartete Herausforderungen gestellt, als etwa nach der Hälfte des Abends zwei nicht mehr vollkommen nüchterne Männer mittleren Alters die erste Reihe stürmten und nach jedem Song auf ihn einredeten bzw. -brüllten. Miller reagierte verwundert, verstand es aber sogleich, einen running gag aus den beiden verwirrten Gestalten zu machen („Ah, you’re still here! That’s awesome, man.“, „It’s amazing how much we talk to each other tonight!“, „What is it you want? I’ll do everything!“, „Yes, you’re drinking beer. I’m quite happy with my ladydrink with pink things in it. Cheers!“ , usf.)

Guster behielten trotz dieser kleinen Irritationen stets ihre Spiellaune und Flexibilität. Das Set legte den Fokus auf die letzten drei Alben „Ganging Up On The Sun“ (2006), „Easy Wonderful“ (2010) und „Evermotion“ (2015). Besinnliche Momente wie „Lightning Rod“ kamen genauso zum Zug wie das härtere „The Beginning Of The End“, die aggressiv tanzbare neue Single „Simple Machine“, der lebensbejahende Pop von „Do You Love Me?“ oder die vertrackteren, beinahe trip-hopigen Songs ab dem aktuellen Album („Long Night“). Als es dem Ende zuging, gingen einige Fanwünsche ein, die Guster aufgrund ihres breiten Repertoires nicht erfüllen konnten, das Publikum aber auf eine baldige Wiederkehr (im Herbst?) vertrösteten. Miller blickte sich um, nach links, nach rechts, sagte: „We’re gonna do two more songs, then we’re gonna stay up here, then do the encores. We have to stay, there’s just nowhere to go!“ Auch an den Tücken des kleinen Clubs Kinski mit seinen fehlenden Ausweichmöglichkeiten verdiente sich die Band noch einmal neue Sympathien.

 Wer gestern Abend den Weg an die Zürcher Langstrasse in den schummrigen Kinskikeller gefunden hat, wurde mit einer hervorragenden Liveshow von einer Band belohnt, die aufgrund ihres wirklich hochwertigen Repertoires und ihrer humorvollen Art eigentlich ein weitaus grösseres Publikum verdient hätte.

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Eine Antwort zu “Konzertbericht: Guster (Kinski, Zürich, 16.03.2015)

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