m4music – Das M steht für die Musik, ein Rückblick

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FREITAG, 27.03.2015

Der Auftritt der Berner Band Lo & Leduc ist mit ‚Don’t believe the hype‘ treffend zusammengefasst. Die dreifachen Gewinner des Swiss Music Awards zeigten eine magere Show, wobei die zwei oder drei wirklich guten Songs nicht darüber hinwegzutäuschen vermochten, dass das Rapper-Duo vor allem viel Aufhebens um sich selbst zu machen versuchte. Ihre Mischung aus Rap, Reggae und Plüsch wirkte letztlich doch ziemlich anbiedernd.

Als einer der Hauptacts des Abends wurden AWOLNATION aus den USA mit grossen Vorschusslorbeeren empfangen. Die deutlich an ihren Metal-Ursprüngen orientierte Show wird vielleicht manch einen Fan enttäuscht haben, denn auch ihnen mag man anlasten, dass sie manchmal viel Lärm und Posen um sehr wenig Song machten. Dies gilt insbesondere für einige Titel ab ihrem neuen Album „Run“, die live (noch?) keine Zugkraft entwickelten. Insgesamt kann die Show aber als gelungen bezeichnet werden, sorgten doch gerade die Fan-Lieblinge wie „Not Your Fault“, „Kill Your Heroes“ oder „Sail“ für hervorragende Stimmung.

Die Singer-Songwriterin Zola Jesus aus den USA überzeugte mit ihrem düsteren perkussiven Pop auf ganzer Linie. Ihre kristallklare Stimme, unterstützt von Perkussion, Keyboards und Posaune (!), entfaltete eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen konnte. Das Repertoire der jungen Künstlerin (*1989) ist mit fünf Alben bereits ziemlich gross und wurde von ihr optimal ausgeschöpft. Songs wie etwa „Sea Talk“, „Hunger“ oder der kleine Hit „Dangerous Days“ bleiben in nachhaltiger Erinnerung.

Im Moods durfte das belgische Duo Black Box Revelation vor kleinem Publikum auftreten – die Headliner Jungle zogen zur selben Zeit die meisten Gäste an. Ihre Mischung aus psychedelischem Kasabianrock und deftigem Blackkeysblues hatte Höhen und Tiefen, wobei vor allem die schnelleren Songs zu überzeugen vermochten, während die langsamen bisweilen etwa konzeptlos wirkten.

Nach Mitternacht betraten die von vielen gierig herbeigesehnten SOHN die Bühne der grossen Halle. Drei Männer mit Synthesizer und Keyboards, von denen sich einer als düsterer wunderwirkender Mönch inszenierte (gegen Ende der Show dann aber doch aus der Rolle fiel). Der zumeist schleppende psychedelische Electro, den die drei Musiker produzierten, war einlullend, beinahe etwas schläfrig. Kern des Ganzen ist sicherlich Sohns Stimme, die warm und eindringlich zugleich ist und die Musik über den banalen Durchschnitt hinauszuheben vermag.

Nach diesem Auftritt erfolgte die grosse Massenabwanderung, so dass um 01:45 in der Box genug Platz blieb, um der Berner Electroswing-Band Klischée zu lauschen. Die Band ist sozusagen die Antithese zu Lo & Leduc, zelebriert kompromisslosen, intelligenten Partysound, auf den sich wohl die meisten einigen können, und glänzt dabei als überaus kompetentes Musikerensemble. Ein grossartiger Abschluss!

SAMSTAG, 28.03.2015
Am Freitag ging das ganze also schon ziemlich wild zu und her. Nebst den Konzerten fanden noch zahlreiche Konferenzen statt, wo sich sowohl die aktive als auch die passive Musikszene zu aufgeregten Podiumsdiskussionen trafen. Auch an der Demotape Clinic ging die Post ab, wie man so (un)schön zu sagen pflegt. Dort gaben Newcomerbands und –Acts ihre (nomen est omen!) Demotapes zum besten. Diese Besten bekamen dann je einen Award inkl. Preisgeld. Der Overall-Gewinner der Demotape Clinic stammt dieses Jahr aus dem Electronic-Bereich. Sein Name ist Flex Fab und sein Lied „Manoir“ ist eine tatsächliche Wucht. Von ihm wird in der DJ-Szene wohl noch zu hören sein.

Am Samstag gab es so viele Konzerte, da wurde einem beinahe schwindlig: Kleine grosse Acts waren dabei One Sentence. Supervisor aus Baden, Phoria aus Brighton oder Yellow Teeth aus dem Wallis. Über dem ganzen schwebte allerdings etwas, was zu erwarten war. Grosse Bilder der Gefühle erzählten vor allem die Österreicher von der Austro-Pop Band Bilderbuch. Sie begannen ihre bahnbrechende Show in der Schiffbau Halle mit dem Opener „Willkommen Im Dschungel“. Und im Dschungel befand man sich wortwörtlich während des Konzert. Die elektrisierende Spannung war sowohl bei der Band als auch beim Publikum zu spüren. Das Konzert war, rudimental gesagt: Sex. Aber platonisch und anständig zugleich. Hits wie „Maschin“ und „Om“ fegten den Alltagsstress so sehr weg, wie starke Windböen die Wolken. Die feuchtfröhlich erzeugte Stimmung wurde mit dem sexy Song „Softdrink“ noch auf die Spitze getrieben – Bilderbuch folgen wahrlich ihrem Ruf, eine hervorragende Live-Band zu sein!

Nachdem das Bilderbuch-Konzert vorbei war, standen die deutschen Jungs von Sizarr auf dem Programm. Die deutsche Band unterliegt zurzeit einem regelrechten Hype. Ab dem Konzert in der Box war man jedoch gespaltener Meinung. Anschliessend performte die Dänin MØ.Auch sie war auf Hochtouren. Wie vergangenes Jahr am Zürich Openair, bot sie auch in der Schiffbauhalle eine Show der Extraklasse. Im Gepäck hatte sie neben Hitsongs wie „Don’t Wanna Dance“ auch grandiose Film-Visuals, die ihre Musik noch unterstützten.

Später in der Nacht- Viel später in der Nacht folgte ein abermaliges Hightlight: Dieses trug den Namen Verveine. Die Schweizer DJ Künstlerin entführte die ganze Zuschauerschaft in der Box in eine andere Welt. Gibt es einen schöneren Abschluss eines noch schöneren Festivals als ein Abschluss voller elektronischer Melancholie?

Das „M“ im m4music hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Beindruckend war am diesjährigen Festival vor allen Dingen das grosse Talent in der Schweizer Musikszene, die ja aufgrund ihrer Grösse sehr gerne mal unterschätzt wird. Wir sagen danke für ein einzigartiges Wochenende.

Die Festivalsaison hat begonnen! Der Sommer wird fantastisch.

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Eine Antwort zu “m4music – Das M steht für die Musik, ein Rückblick

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