Konzertbericht: Florence + The Machine (19.12.2015, Hallenstadion Zürich)

Florence + The Machine besuchten letzten Samstag das Hallenstadion Zürich. Die Tour des neusten Albums „How Big How Blue How Beautiful“ inkludierte eine Wand aus Glitzer, Schweigemomente und nackte Oberkörper.

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„PUT YOUR SMARTPHONES AWAY, IT REALLY BOTHERS ME“
Florence + The Machine wuchsen über die vergangenen Jahre, was ihre Fangemeinde betrifft. Auf sozialen Medienplattformen existieren zahlreiche sehr aktive Florence-Fangemeinden (das Hauptforum ist eigens kreierte Website nur für Mega-Fans). Viele sehen Florence nicht nur als just some Indie Folk Band, sondern als Vorbild, als Ikone. Florence Welch vertrat diese ikonisierte Rolle letzten Samstag erwartungsgemäss: In ihrem babyblauen Hosenanzug, der mit den feuerroten Haaren kontrastierte, sprach sie immer wieder zum Publikum. In einer klaren, hohen Stimme. Beispielsweise sagte sie:

„This is a very old song. Sometimes people like it, sometimes they ´boo´ it out. But it is one of our first demos and it really means a lot to me. So I would appreciate it if you´d put away all your cellphones for this one. It really bothers me.“

Gesagt getan. Während „Cosmic Love“ herrschte sogleich eine Stimmung von gesteuerter Andächtigkeit. Die Harfe und Florence´s Stimme füllten den riesigen Raum aus. Florence konnte etwas sagen und das (ohnehin eher stille) Publikum folgte sogleich. Einige Songs später wurden dann aber wieder die Armverlängerungen ausgepackt… Diese Zweischneidigkeit von „man-möchte-als-Band-sozialmedial-geshared-werden“ und „eigentlich-sind-wir-jetzt-da-live-für-den-Moment“ gibt es heutzutage oft und scheint einigen Künstlern (-innen) Schwierigkeiten zu bereiten.


(„Cosmic Love“, LIVE aus der Atlas Arena Łódź in PolenVideo-Credits: Magda Jarząbek)

DIE SETLIST: NO ALARMS AND NO SURPRISES
Die Setlist bot keinerlei Überraschungen. Die Lieder waren ausgewogen auf die drei Alben „Lungs“, „Ceremonials“ und „How Big How Blue How Beautiful“ verteilt. Alle Hits (wie bsp. „Shake It Out“, „Rabbit Heart“, „Ship To Wreck“)  wurden abgearbeitet. Das Konzert begann wie schon ein paar Mal (auf den letzten Album-Touren) mit „What The Water Gave Me“. Never change a winning team? Vielleicht. Vielleicht steckt hinter diesem Intro ja ein grosses, ungeahntes Konzept? Man kann ja auch nicht das alte Testament plötzlich nach dem neuen lesen? …

Eines der besseren Stücke, die mich überraschten war „How Big How Blue How Beautiful“, das auch sehr langsam daher kam. Bei diesem Lied war eine Nähe und Echtheit spürbar, die während des restlichen Konzerts zu vermissen war.

FAZIT: BITTE KEINE SHOW, BITTE MUSIK
Direkt vor der Zugabe spielte die Band den Überhit „Dog Days Are Over“. Bevor das Lied allerdings angespielt wurde, forderte die britische Sängerin das gesamte Publikum erneut zu einer Aktion auf:

„Tell each other, that you love each other! Kiss each other! Touch each other! Don´t be shy. If you are wearing a top, take it off…“

Die Masse folgte und mit der T-Shirt-Losigkeit stieg die Ausgelassenheit. Das sind so kleine Live-Tricks von Bands, die man immer mehr zu sehen bekommt. Für Florence missfiel das aber irgendwie. Die zwölftausend Leute mochten die weihnachtliche „Hug-Me“-Stimmung dann aber doch. Programmatische Liebe in der Vorweihnachtszeit.

WENN DIE ZEREMONIEN ZUVIEL WERDEN
Als grosser bekennender Florence-Fan habe ich mich lange auf das Konzert gefreut. Und es war auch schön. Und ich würde auch wieder gehen. Die mehr-als-zehnteilige Band hat nämlich hervorragend gespielt und Florence war charmant und lächelte immer wieder. Ihre Stimme ist nach wie vor ein Relikt (vom Songwriting ganz zu schweigen). Aber nur weil man ein Relikt besitzt, muss man keinen Kult starten? Dieses Konzert kam mir persönlich zu esotherisch, zu abgehoben und zu gestellt rüber, was absolut schade und unnötig ist bei diesem Repertoire einer so talentierten Band.

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