Mythos Cannibal Corpse

(Gastbeitrag: Robin Simon)

Bereits seit dreissig Jahren gibt es die Death Metal Band Cannibal Corpse. Und noch immer strömen Jung und Alt an ihr Konzert im Zürcher Dynamo. Gastautor Robin macht sich auf Spurensuche nach einer Liebe, die (irgendwie) nie zu Ende geht.

Am 4.10.2009 stehe ich im Z7 in Pratteln und erwarte vorfreudig den Auftritt einer meiner Lieblingsbands: Cannibal Corpse. Im Rahmen der Evisceration Plague-Tour machen die fünf US-Amerikaner halt in Pratteln, um für die, aus meiner Sicht, überbewerteten doch damals sehr „gehypten“ Children of Bodom den Abend zu eröffnen. Ein unvergesslicher Abend, durften wir uns auf dem Weg zur Bar noch mit dem Frontman George „Corpsegrinder“ Fisher abbilden lassen bevor der Headliner die Bühne betritt.

Es sind die Jahre in denen ich das Z7 als zweites Wohnzimmer ansehe. Die Haare sind standesgemäss lang und der Teenage-Ziegenbart darf höchstens noch als Jugendsünde bezeichnet werden.

Knapp 9 Jahre später stehe ich im Dynamo in Zürich und es sind nur noch zwei Sachen gleich wie am besagten Tag im Z7: Vorfreudig erwarte ich Cannibal Corpse und die Gesichtsbehaarung ist höchstens mittel.

Die nun langsam ergrauten Death-Metal-Legenden spielen eine Headlineshow rund um ihr 2017 erschienenes Album „Red Bevor Black“. Zusammen mit der Freude auf dieses Konzert ist jedoch immer wieder dieselbe Frage aufgetaucht: Warum?

Das Z7 besuche ich nur noch jährlich. Zum Beispiel, wenn Steven Wilson sich wieder die Ehre gibt. Die mehrere Male pro Monat Besuche liegen längst in Vergangenheit. Kataklysm, Aborted und wie die üblichen Verdächtigen heissen lotsen mich nicht mehr in die Gemeinde in Basel-Landschaft.

Was unterscheidet die in Buffalo, New York, gegründete Band von ihren „Artgenossen“, sodass eine Liebe entstanden ist, die (irgendwie) nie zu Ende geht?

Meine Antwort findet sich in Vermutungen. Als ich mit 12 Jahren zur Musik von Cannibal Corpse kam, war das ganze vor allem auch mit Faszination verbunden. Die Covers, das Tempo und die Art zu singen fesselten mich, machten mich neugierig. Natürlich fragte ich mich, wer schreibt Lieder wie „I will kill you“, „Fucked with a Knife“ und „Stripped, Raped and Strangled“? Muss man vor diesen Personen sogar Angst haben?

Die Antworten dazu fand ich auf der Bonus DVD zu „Gallery of Suicide“ (Youtube gab es noch nicht). Im „Making-Of“ zu der im Jahre 1998 erschienen Platte konnte ich zum ersten Mal die Menschen hinter der Musik sehen. Bodenständig, lustig und kameradschaftlich – einfach ganz normal präsentierten sie sich. Sie erklärten ihre Liebe zur Musik von Jimi Hendrix und Johnny Cash und ihre eigene Zuneigung zum Death Metal Genre. Eine Szene, welche mir immer geblieben ist.

Während andere Bands, beispielsweise Gorgoroth, die sich in dunklen Weinkeller interviewen lassen, Satan preisen und Kirchenbrände fördern, hatte es Cannibal Corpse nie als nötig empfunden, ihr Image künstlich zur „verbösen“ oder ähnliches. Der Fokus ist stets in der Musik und deren Entwicklung zu finden. Keine Eskapaden, keine nackten Menschen an Kreuzen auf der Bühne (…Gorgoroth) und keine wilden Gerüchte, dass der Song „Hammer Smashed Face“ auf einer wahren Begebenheit basiert. Vielmehr vergleichen sie ihre Songs mit einem Horrorfilm. Als Inspiration nennen sie gerne den italienischen Filmemacher Lucio Fulci, der in seinen Filmen gerne exzentrische Gewalt- und Blutträchtige Szenen verwendete. Die Art wie sie die Kunst ihres Schaffens aus einer anderen Perspektive betrachten unterscheidet sich dadurch zu anderen Bands, welche im Metal-Bereich tätig sind und ihre Lieder gerne überinszeniert interpretieren und vortragen.

Cannibal Corpse ist wohl noch eine der wenigen Death Metal Bands, die mich im letzten Jahrzehnt sowohl musikalisch immer wieder überzeugen konnten, wie auch auf einer (komischen) persönlichen Ebene nie verloren haben.

So ist es auch an diesem warmen Sommerabend in Zürich. Die Band überzeugt Song für Song aufs Neue. George Fisher gibt sich gut gelaunt und interagiert immer wieder mal mit dem Publikum. Ich geniesse das Konzert aus der fast hintersten Reihe und ganz selten denke ich sogar an meine liegengelassenen langen Haare und verdrücke innerlich ein „Tränchen“.

Epilog

Die Lichter im Dynamo gehen aus. Leicht eklig schweissgebadet gelangen die Konzertbesucher an die frische Luft und nebst dem Tinnitus hört man nur noch das Rauschen der Limmat. Geplättet von einem fantastischen Konzert mache ich mich in Gedanken auf Spurensuche…

Setlist:

Code of the Slashers

Only One Will Die

Red Before Black

Scourge of Iron

Evisceration Plague

Scavenger Consuming Death

The Wretched Spawn

Pounded Into Dust

Kill or Become

Gutted

Corpus Delicti

Devoured by Vermin

A Skull Full of Maggots

I Cum Blood

Make Them Suffer

Stripped, Raped and Strangled

Hammer Smashed Face

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