Rezension: Belle And Sebastian – Girls In Peacetime Want To Dance (Matador, 2015)

Belle and Sebastian sind zurück. Mit einem Albumtitel („Girls In Peacetime Want To Dance“, den es bislang sicher noch nie gegeben hat. Ob wir Mädchen (und Jungs) tanzen wollen, finden wir beim Hören des Albums heraus. Denn auch wenn das Veröffentlichungsdatum erst auf den 19. Januar angesetzt war, kann man sich die Platte jetzt bereits online via npr anhören.

BelleSebastian

Mädchen in Zeiten des Friedens wollen tanzen? Ja, aber nur in pinken Leggins!
Die erste Single „The Party Line“, die letzten Oktober an die Öffentlichkeit gebracht wurde, verriet es bereits: Das Album ist eine Ode. Eine Ode an die 80er Jahre, in welchen der Boden blinkte und die Leggins pink waren. Stuart Murdoch, ewiger Sänger und Kultkopf der Band, kann sich vieles erlauben. So wird nicht zweimal mit der Wimper gezuckt, sondern dreimal mit dem Tanzbein gewippt, hört man sich in die 12 Tracks hinein.

So weit so gut. Was gibt es sonst noch auf diesem neuen Terrain der Glitzer-Disco? „The Cat With The Cream“ ist da ein gar schnulzig geratenes Simon-und-Garfunkle (ja, das ist ein Substantiv!). Und auch bei „Play For Today“ möchte man sich nicht in today aufhalten, sondern lieber bei einem Glas Wein einen Rubik´s Cube lösen. Show me rules of fun„Everlasting Muse“ beginnt mit einer Blueshaftigkeit und behält den auf dem Album vertretenen Schimmer bei. Es ist ein Schimmer der Vergangenheit, der immerwährenden Muse. Das Lied verliert sich in Trunkenheit, Liebesbekenntnissen. Und wäre man nun wirklich betrunken, man sänge zum Schluss Zeilen aus einem alten Lied:

„Those were the days my friend
We thought they’d never end
We’d sing and dance forever and a day
We’d live the life we choose“

Und wenn wir schon einmal bei ihr sind, der Liebe, kommen wir auch zu ihnen, den Pärchen. Das Lied „Perfect Couples“ beginnt mit einer World Music Einlage, die alsbald von rockigen E-Gitarrenriffs zerstückelt wird. Spätestens bei „Enter Sylvia Plath“ muss sich auch der hartgesottene B&S-Fan fragen: Was soll das? Haben sich Modern Talking wiedervereinigt? Galoppierende Disco-Klänge fusionieren mit Stuart Murdochs hellem Stimmorgan und stiften allgemeine Konfusion. Was wollen die stolzen Glasgower mit ihrem nun bereits neunten Studioalbum? Wollen sie wirklich nur noch tanzen?

Jein, zu „Girls In Peacetime Want To Dance“ lässt es sich zwar in einer Kopflosigkeit tanzen, trinken, feiern, schwelgen und singen. Aber nicht nur das: Mit dabei ist das, was Belle And Sebastian seit bereits zwei Jahrzehnten zu Kult macht: Die bittersüsse Tiefe des Philosophischen. In den Texten geht es um altehrwürdige Themen wie zerbrochene Herzen und Selbstfindung. In der Musik geht es, wie schon eh und je („Funny Little Frog“, „I´m A Cuckoo“), um die Sehnsucht nach dem Pop-Stück.

Wer weiss, vielleicht findet es sich in den 80ern. Oder vielleicht in „Nobody´s Empire“.

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3 Antworten zu “Rezension: Belle And Sebastian – Girls In Peacetime Want To Dance (Matador, 2015)

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