Calexico – Edge of the Sun (Anti-/City Slang 2015)

Seit mittlerweile 25 Jahren machen Joey Burns und John Convertino gemeinsam Musik, zunächst als Rhythmussektion der Alt.Country-Band Giant Sand, seit 1996 mit ihrem eigenen Projekt Calexico. Mit „Edge of the Sun“ erscheint am 13. April das achte Studioalbum des Duos aus Tucson, Arizona, das seine topographische Grenzsituation immer auch musikalisch umsetzt. Eines gleich vorweg: „Edge of the Sun“ ist ein Meisterwerk.

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„Pushing through the blue to brighter days“: Calexico umarmen die Dunkelheit, verlieren dabei aber nie das Licht aus den Augen.

 

Obwohl Burns und Convertino Multi-Instrumentalisten sind, greifen sie als Duo meist auf die Unterstützung zahlreicher Studio- und Gastmusiker zurück. Zwei davon, Sergio Mendoza und Craig Schumacher, haben „Edge of the Sun“ produziert und dabei einen richtig guten Job gemacht. Trotz der detailreichen, vielstimmigen Arrangements wirkt keiner der zwölf neuen Songs überladen oder breiig (schönes Wort). Kristallklar kommen die Songs daher, verdelte Diamanten, denen doch stets im richtigen Moment der nötige Anteil Ungeschliffenheit mitgegeben wird.

Und dann sind da die vielen Gaststars: Nach 25 Jahren Karriere kann das Duo auf ein gut ausgebautes Netzwerk zurückgreifen. Für das neue Album haben sie etwa Neko Case an Bord geholt, auf deren Alben Calexico auch schon oft ausgeholfen hat, oder Sam Beam (Iron & Wine), mit dem sie bereits 2005 eine Split-EP produziert hatten. Weiter sind etwa Ben Bridwell (Band of Horses), Carla Morrison oder auch Mitglieder der griechischen Instrumentalband Takim mit von der Partie. Es sei ihr kollaborativstes Werk bisher, sagen Burns und Convertino.

Und nicht nur das: Es dürfte auch eines ihrer bislang besten sein. Die Qualität des Songwritings ist durchgehend auf einer Flughöhe, für die nur die wenigsten Bands den Atem haben. Die Arrangements sind verspielt, fantasie- und hingebungsvoll, dabei aber stets zugänglich und zu Ende gedacht. Die Texte sind gewohnt prägnant und klug, haben bisweilen literarische Qualitäten. Die Vielfalt, die die Band auf konsequent hohem Niveau beherrscht, ist bewundernswert. Von knochentrockenem Wüstenblues („Bullets & Rockets“ mit Sam Beam) über erstaunlich energischen, electro-infizierten Latin-Jazz (die erste Single „Cumbia De Donde“ mit Carla Morrison), psychedelische Trips („World Undone“) und stimmungsvolle Mariachi-Instrumentals („Coyoacan“) bis hin zu klassischem Americana („Woodshed Waltz“) bleiben keine Wünsche offen.

Daneben gelingen der Band einige ihrer euphorischsten Pop-Momente ihrer Karriere. Hervorgehoben sei das melodiengewaltige „Falling From The Sky“, auf dem Ben Bridwell von Band of Horses Backgroundgesang beisteuert, das so perfekt daherkommt, wie es ein Popsong nur kann.

Und obendrauf findet Songwriter Joey Burns noch einmal so schöne Worte, um sich der Bedeutung des Songs anzunähern. Er sagt:

„the song could be about not knowing where life is heading sometimes – there is nostalgia and an attempt to convey the importance of mystery and magic in our lives. Our instincts tell us to take giant leaps, whilst our minds remind us to be more cautious. When we find ourselves truly alone or facing our biggest challenges, it is then that we are most in tune with our true selves and the world around us, or in this case amongst the universe and stars above.”

Etwas abgehoben, von da oben kommend, wo auch die titelgebende „Edge of the Sun“ sich befinden muss, aber dennoch: Wow. A propos „Edge of the Sun“, auch zum Titel und dem Album als Ganzes liefert die Band ein Statement:

„All in all, this album is about pushing through the blue to brighter days. Calexico has always had that element of hope, going back and forth between a positive outlook and embracing desperate or dark themes that I think we all share.“

Es trifft diese Aussage ziemlich gut das Grundgefühl des Werks. Zwischen verwunschenen Melodien, trompetenseliger Melancholie und aufwirbelndem Sand dringt stets das Licht der roten Wüstensonne durch, das Licht, das der einsame Reiter sieht, der auf seinem Pferd dem Sonnenuntergang entgegengeht. „Edge of the Sun“ ist ein Album, das bei all seinen herbstlichen Anklängen zum sich ankündenden Sommer passt wie das erste kühle Bier unter freiem Himmel, die ersten lauen Abende, Lagerfeuer, Grilladen, lachende Gesichter, der würzige Duft von Freiheit. Ich sage es doch nochmals: ein Meisterwerk.


Im Rahmen ihrer Europa-Tour werden Calexico am 22. April im Zürcher Volkshaus haltmachen. Support werden die Kanadier The Barr Brothers sein, eine ebenfalls hervorragende Folk-Band.

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2 Antworten zu “Calexico – Edge of the Sun (Anti-/City Slang 2015)

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