Rezension: Tame Impala – Currents (Modular, 2015)

Tame Impala. Eine Band, die heisst wie ein zahmes Tier. Ein Impala eben (so sieht das übrigens aus). Dieses zahme, australische Impala bringt nächsten Freitag, 17. Juli SEIN drittes Studioalbum „Currents“ unter die Musikfreunde. Wir haben´s jetzt schon angehört. Track für Track, let this review happen.

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1. „Let It Happen“
Der 7:46 Opener-Song war die erste Vorabsingle des Albums und klingt wie eine getunete Symphonie. „Let It Happen“ steckt voll wehmütiger Sanftheit. Es mag Leute geben, denen das Stück zu lange dauert. Dagegen halte ich: Die Weiterentwicklung der musikalischen Themen geschieht Takt um Takt, durch diese Abwechslung bleibt der Track kurzweilig. Sänger und Produzent Kevin Parker sagte über den Song folgendes: „Let It Happen“ geht um…

„finding yourself always in this world of chaos and all this stuff going on around you and always shutting it out because you don’t want to be part of it. But at some point, you realise it takes more energy to shut it out than it does to let it happen and be a part of „it“.

2. „Nangs“
Wo das erste Stück beinahe 8 Minuten geht, dauert „Nangs“ schüchterne 1:48min. Hart eingesottene Tame-Impala-Fans dürften hier zunächst einmal tief schlucken. „Was ist denn das für ein Electro-Loop zu Beginn?“ und „Was singt der da überhaupt?“, könnten mögliche Aussagen eben jener Fans seinMan kann mutmassen, dass sich der Sound auf „Currents“ schon anders verhält als auf der Vorgänger-Scheibe „Lonerism“. „Nangs“ ist ein sehr verschwurbeltes Lied mit verzerrten Synthie-Streichern und einem Gesang, bei dem stets die Lautstärke variiert. Very trippy.

3. „The Moment“
In „The Moment“ findet das Keyboard seinen persönlichen Moment. Auch dieses Lied wirkt – la „Let It Happen“ wie ein erzählerisches Konzeptstück. Tame Impala finden auf „Currents“ eine neue Sprache. Die ist: Irgendwie klarer und irgendwie näher. Wie wenn das Rauschen bei einer schlechten Telefonverbindung… einfach wegfällt.

4. „Yes I’m Changing“
Bereit für ein bisschen Lebensphilosophie? Dann bist du bei „Yes I´m Changing“ über-richtig! Wenn du noch ein sentimentales Gemüt besitzt, wird dir das Lied sofort gefallen. Die wunderschönste Melodie trifft einen nachdenklichen, sehr lebensweisen Text. (PS: Und ab der dritten Minute gibt es ein Xylophon-Synthie-Glockenspiel, das klingt wie vertontes Glitzer). VIEL LIEBE.

„I felt the strangest emotions but it wasn´t hate for once“.

5. „Eventually“
Anfangs Mai erschien diese Down-Tempo Vorabsingle. Auch bei „Eventually“ sickert die Synthie-Liebe durch! In diesem Lied (und auch generell auf dem Album „Currents“) hört man nur sehr wenige Pausen. Die Synthies werden gerne in die Länge gezogen und dienen so als Atmospähren-Teppich. Puhhh: Zum Glück fangen Musikteppich keinen Staub, sonst müsste man die Lieder auf „Currents“ immer putzen…

6. „Gossip“
55 Sekunden verklärte Electro-Streichakkorde erzählen einer einsamen E-Gitarre, wie schnell doch alles vorbei geht.

7. „The Less I Know the Better“
Ein Liedtitel, der sich für Tattoo-Freaks auch als Motto eignen könnte. Dieser Song besitzt Pop-Potenzial (resp. Poptenzial, hihi). Die Prognosen stehen gut für eine Single.

8. „Past Life“
Duftkerzen und Räuchstäbchen hervornehmen: Jetzt wird es esotherisch. Das Intro ist von einer tiefen Roboterstimme durchzogen, die mit signalhaften Klängen korrespondiert. Die Auflösung des Intros zieht noch den Gesang Kevin Parkers mit sich. Die Roboter-Stimme bleibt… und wirkt weder störend als auch unglaublich bereichernd. Die Stimme gibt einige Lebensweisheiten preis:

„before I thought I was moving on but instead I was just switching off“

9. „Disciples“
Das dritte Intermezzo mit einer kurzen Lebensdauer von 1:49 min wirkt ein bisschen, wie wenn ein Kind ein Keyboard findet und alle, alle, ALLE Klänge ausprobieren muss. Dazu singt es freudig eine Melodie, die nicht zum Geklimper passt. Neben dem Kind steht dann der Papi mit der Gitarre und versucht, die Melodie zu retten.

10. „‚Cause I’m a Man“
Die insgesamt dritte Vorabsingle ist Slow-Motion-Pop und das wohl „normal“ strukturierteste Lied auf dem Album „Currents“. Strophe – Refrain – Strophe – (…). Kevin Parker erzählte in einem Interview mit Under The Radar Mag, dass er stimmlich so viel versucht, wie noch nie:

„I’m really putting myself out there vocally more than I have before. I usually bury my vocals and sing quite ethereally and stick in a laser beam melody washed in reverb.“

11. „Reality in Motion“
Es ist noch lustig: Die meisten Liedtitel könnten anstelle von Liedtiteln einfach auch die Beschreibung von „Currents“ sein. „Reality in Motion“ wird erzeugt durch die wabernde Basslastigkeit, die fragmenthaft strukturierten Songs und die Regenbogen-Klangfarben.

12. „Love/Paranoia“

Liebe und Paranoia gehen Hand in Hand. Liebe und Paranoia befinden sich (Achtung Meta!) selbst in einer Liebesbeziehung. „Are you sure? It was nothing? Cause it made me feel like dying inside.“, singt Kevin Parker. Achtung Gossip (auch Lied Nr. 6, aber hier ist wirklich Gossip): Vielleicht verarbeitet Sänger Parker seine Trennung mit Melody Prochet (Sängerin von Melody´s Echo Chamber)

13. „New Person, Same Old Mistakes“
Das Album beginnt mit einem langen Song und das Album endet mit einem langen Song. Die Abrundung ist jedoch nicht nur zeitlich geglückt. Die Songs auf Currents fliessen, trotz verschiedener Strömungs- und Wärmeverhältnissen, in dieselbe Richtung.

LIEBLINGS-TRACKS: „Let It Happen“, „Yes I´m Changing“, „Love / Paranoia“ („CURRENTS“ OUT JULY 17TH)

EIN PHILOSOPHISCHES FAZIT

„Currents“ klingt, als ob der Zeitaspekt sich auflösen würde. Eigentlich wie früher.

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